Seltener Fund: Toter Buckelwal auf Bornholm gestrandet

24.07.2024

Ich lebe seit 18 Jahren auf Bornholm und habe als Hobby-Walforscherin immer davon geträumt, dass in dem Meer vor meiner Haustür einmal Großwale gesichtet werden. OBWOHL ich natürlich weiß, dass die Ostsee nicht das richtige Gewässer für diese Wale ist. Insofern sollte es nur ein Traum bleiben…

Doch vor ein paar Wochen las ich plötzlich, dass ein Buckelwal vor Dueodde und später weiter nördlich gespottet worden war. Ich hoffte die nächsten Tage, dass ich ihn irgendwo mal von Land aus mit meinem Fernglas entdecken würde. Es gab auch Gerüchte, dass zwei Wale gesehen wurden, eine Mutter mit ihrem Jungtier…

Leider kam es nicht dazu, sondern eine Standup-Paddel-Surferin entdeckte am Sonntagnachmittag einen toten Walkadaver schwimmend im Wasser, in Ufernähe am Strand von Dueodde. Sie machte Unterwasserausnahmen, anhand derer man gut an der Schwanzflosse – Fluke – erkennen konnte, dass es sich um einen Buckelwal handelte.

Diese Nachricht rief mich natürlich sofort am nächsten Tag an den Strand an der Südküste, um Ausschau nach dem toten Wal zu halten. Ich konnte ihn leider nicht entdecken und die Wahrscheinlichkeit, dass er entweder angespült oder abgetrieben wurde, war 50/50. Dann plötzlich am Dienstagmorgen lag er angespült am Strand von Dueodde und TV2 Bornholm berichtete sofort darüber.

Gleich links vom langen Holzsteg, der jeden Tag Hunderte von Touristen an den Strand führt, hatte er seine „Ruhestätte“ gefunden. Mitten im Sommertrubel mit all den Gästen.

Der Anblick war nicht gerade das, was man sonst von Strandungs-Fotos kennt. Der Wal war schon stark verwest und mit extrem viel Algen bedeckt. Ein ihm würdiges Foto war dabei nicht zu machen, aber ich möchte es trotzdem dokumentieren und zeigen, da es ein sehr, sehr seltener Fund auf Bornholm ist.

Der Buckelwal noch so gut „intakt“, so dass man seinen Körper und damit auch die Länge noch gut erkennen konnte. Ich schätze ihn auf ca 8 Meter, also ein junger Wal. Ausgewachsen werden diese anmutigen Tiere zwischen 15 und 19 Metern lang.

Die Schaulustigen spekulierten über die Art des Wals, die Ursache des Todes und ob und wann der tote Wal wohl abtransportiert werden würde. Typisch für die Gelassenheit der Dänen und das Vertrauen auf Selbstverantwortung gab es eben kein rotes-weißes Absperrband rund um den Kadaver und auch keine Schilder mit Richtlinien, was man hier darf oder nicht. Die Kinder schauten besondern neugierig, stocherten auch mal mit dem Stock auf dem Walfleisch herum und schauen sich auf Knien hockend die Knochen an, darunter gut zu erkennen die Schulterknochen und Teil des Schädels.

Es machte mir Spaß, den Kindern ihre Fragen zu beantworten und in einigen staunenden Augen die Forscherleidenschaft zu sehen. Genau so fühlte ich mich auch schon als Kind, wenn ich etwas über diese majestätischen Tiere las. Für sie und mich war diese Strandung einfach unfassbar spannend, auch wenn sie gleichsam sehr traurig war. Wir sprachen miteinander über die möglichen Ursachen des Todes…

Denn eines ist klar. Dieser junge Buckelwal hatte sich verschwommen. Denn Buckelwal sind nicht in der Ostsee heimisch. Bereits im April diesen Jahres hatte ich davon gehört, dass in der deutschen Ostsee ein ca. zwölf Meter langer Buckelwal im Flensburger Hafen, in der Eckernförder Bucht und in der Kieler Förde gesichtet wurde. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass die Buckelwale den reichhaltigen Nahrungsströmen folgen, die als kleinere Einströme aus der Nordsee mit kurzfristiger guter Nahrungsverfügbarkeit die Meeressäuger in die Ostsee „locken“. Aber Genaues weiß man nicht.
Die Gründe für das Stranden von Walen sind vielfältig und darüber hatte ich schon in meinem Buch „Die Weisheit der Wale“ geschrieben. Oft sind es Umweltveränderungen (Temperatur, Strömung), Nahrungsmangel, Lärmverschmutzung unter Wasser durch Schiffsmotoren, Bohrungen, Sprengungen und auch Kollissionen mit Schiffen, die diese Tiere gefährden. Dazu kommt die Gefährdung durch Plastik und Mikroplastik im Meer.

Forscher kamen herbei und haben Gewebeproben des Tiers genommen und anhand eines DNA Test werden wir dann mehr Information über den Wal erhalten, z.B. das Geschlecht. Aber ich denke nicht, dass ohne weitere Obduktion, vor allem des Mageninhalts, wir Aufschlüsse über die Todesursache bekommen können.

R.I.P. lieber Wal! Ich werde dich die nächsten Tage immer mal wieder besuchen, bis dein Körper und Geist vollends in das Meer übergegangen ist.

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