Hodda in Rønne: Ein neuer Treffpunkt für Hygge und Gemeinschaft

Ich sitze während ich diesen Blogbeitrag schreibe im „Hodda“ in Rønne. Definitiv mein neuer Lieblingsort, um in unserer Insel-Hauptstadt zu „hyggen“, zu schreiben, zu lesen, Café zu trinken und mit Leuten ins Gespräch zu kommen.

Ein gemütlicher Cafébereich mit einem Cappuccino, einem kleinen Teller mit Eiersalat, Tomaten und Gebäck, sowie einem Buch über Bornholm auf einem Tisch, umgeben von weiteren Gästen.


Letzte Woche bin ich zufällig hier „hereingeschneit“. Denn von außen sieht dieser Ort nicht gerade einladend aus. Im ehemaligen Geschäft „Tiger“ am Marktplatz in Rønne liegt dieses „Folkehus“, wie die Chefin Linda diesen ungewöhnlichen Ort nennt. Die Fenster zum Marktplatz sind mit unscheinbaren Gardinen verhängt und man ahnt nicht wirklich, was einen hier erwartet.

Außenansicht des Hodda in Rønne mit Fensterfronten und Eingangsbereich.

Doch direkt nach dem Eintreten habe ich es gespürt: DAS hier ist anders als alles andere auf Bornholm.
Der Klang von Tischtennisbällen, die über die Platte hüpfen dringt sofort zu einem hinüber, gepaart mit regen Gemurmel der Gäste und dem Lachen von Kindern.

Ich stehe unschlüssig im Eingang und schon kommt von links eine freundliche Frau und begrüßt mich mit einem einladenden Lächeln. Von der anderen Seite huscht ein noch freundlicherer Mann vorbei, der leicht federnd das Tablett zum Nebentisch bringt. „Hier ist Leben“, fühle ich sofort. Ich orientiere mich kurz und schaue mir die Räume des Cafés an, das auf drei Ebenen liegt. Unten stehen die Tischtennisplatten, an denen Jung und Alt zusammen „Runde spielen“. Oben ist die Bar, an der man bestellen kann. Eine Etage darüber ein Saal, der gerade leer ist und in dem anscheinend spannende Dinge stattfinden… Das muss ich alles mal herausbekommen ;-).

Blick von oben auf eine belebte Café-Szene mit mehreren Tischen, an denen Gäste sitzen und essen. Ein Tisch enthält Puzzles und andere Spiele, während an einem anderen Tisch ein Gespräch stattfindet.
Barbereich des Cafés 'Hodda' in Rønne mit freundlichen Mitarbeitern und einer bunt gefliesten Theke. Im Hintergrund ist eine Menütafel sichtbar.


Ich suche mir schnell einen der letzten Plätze in einem bequemen „Omasessel“ mit passend geblümtem Muster. An der Bar werde ich wieder so außergewöhnlich freundlich bedient und ich bestelle einen Cappuccino mit Hafermilch und einen „rørsalat med rugbrød“, was sich als ein Eiersalat (gibts auch mit Thunfisch, Hühnchen, Rote Beete oder Hummus) im Glas mit geröstetem Schwarzbrot herausstellt. Kaum sitze ich mit meinen Leckereien im Ohrensessel, kommt ein älterer Herr dazu und fragt mich, ob der Platz gegenüber von mir noch frei sei. „Natürlich“, antworte ich und frage ihn sofort ganz aufgeregt, ob er hier öfter einkehrt. Ja, es sei sein Lieblingslokal, seit es Ende August eröffnet hat. Vor uns auf dem Beistelltisch liegt ein Buch über das „Folkehuset Absalon“ in Kopenhagen, dies sein das Vorbild für diesen Ort hier, erzählt mir mein Tischnachbar Jørn. Ich greife zum Buch und lese mich ein…

Ein älterer Mann sitzt in einem bunten, gemusterten Sessel in einem gemütlichen Café, umgeben von weiteren Gästen, die an einem Tisch sitzen. Im Hintergrund sind Pflanzen und eine gelbe Lampe sichtbar.

Im Buch versunken höre ich, wie Jörn die freundliche Frau herbeiruft, die mich eben begrüßt hatte. Er stellt sie als Linda vor, die „Gründerin“ vom „Hodda“ sozusagen. Ich habe spontan den Wunsch, einen Blogartikel zu schreiben und verabrede mich mit ihr für ein Kurzinterview etwas später. Denn derzeit ist hier noch zu viel los, als dass sie Zeit für mich hätte. So unterhalte ich mich weiter angeregt mit Jørn, der 83 Jahre alt ist und mit seiner Frau und Kindern in Indonesien und China gelebt hat, bevor es ihn nach Bornholm verschlug. Für ihn ist das „Hodda“ ein zweites Wohnzimmer geworden, „der beste und günstigste Ort“ auf Bornholm“, meint er. Hier begegnet man sich wirklich, ich spüre sofort, dass es der Sinn ist, miteinander ins Gespräch zu kommen. Alle Gäste schauen mit offenem Blick und alle Altersgruppen mischen sich. Und das Passwort für das Wifi ist „Tal_med_din-sidemakker“ , was soviel heißt wie „Komm´ mit deinem Tischnachbarn ins Gespräch“.

Plötzlich steht meine Freundin Justine vor mir, die beim ersten Eintreten genauso aus dem Häuschen ist wie ich „Boah, das ist ja voll der Kopenhagen-Vibe“. Genau das, was uns hier gefehlt hat! Und sie spricht mir aus der Seele, denn SO ein Konzept ist total neu und total wichtig für die Insel: Ein Ort, der 7 Tage die Woche von 8 bis 23 Uhr als Treffpunkt aufhat. Mit ganz viel Raum für alles und jeden. Und mit mogendlichen und abendlichen Veranstaltungen, vom Schachturnier, Yoga, Latin-Dance, Spieleabende. Und Sonntags Brunch am „langbord“, sprich an der langen Tafel, damit alle zusammen sitzen und miteinander ins Gespräch kommen. Und das Beste: es ist im WINTER geöffnet! Ein Traum für uns Einheimische – und natürlich auch alle Gäste!

Nach einer Stunde hat Linda Zeit für mich und erzählt mir die tolle „Geburtsgeschichte“ von Hodda:
Linda war Anfang des Jahres Gast im „Absalon“ in Kopenhagen und war total hin und weg von dem Ort und dem Konzept. Sie arbeitete zu dem Zeitpunkt als Kommunikationschefin von dem Projekt „Energi-Ø“ auf Bornholm. Neugierig folgt sie ihrer Begeisterung und recherchiert, wer hinter dem Absalon in Kopenhagen steht. Sie findet heraus, dass das ein Lennart ist, der Gründer der Tiger-Einzelhandelskette. Die Geschichte des Volkshauses Absalon beginnt 2013, als die damalige Kirchen- und Kulturministerin die Schließung von sechs Kopenhagener Kirchen verfügt. 2014 legt Lennart Lajboschitz rund 1,3 Millionen Euro für die Absalon-Kirche auf den Tisch, denn er hat eine Mission: Er will die entweihte Kirche in ein Kulturhaus umwandeln, das der Gemeinschaft gewidmet ist. Dafür holt er sich Hilfe und beauftragt das Architekturbüro ArcgencY, den Architekten Allan Lyth, den Künstler Tal R und die Lichtdesignerin Marianne Tuxen mit der Umsetzung. „Wir wollten einen Ort schaffen, wo sich Menschen kennenlernen können, miteinander sprechen, Zeit zusammen verbringen,“ sagt Lennart. Und das ist ihm gelungen und das Absalon im Stadtteil Vesterbro hat Kultstatus.
Linda schreibt eine Mal an Lennart und lobt ihn für sein Engagement und das Konzept und schlägt ihm vor, dass wenn er jemals die Idee hätte, so etwas auch auf Bornholm zu starten, so möge er sich gerne bei ihr melden.

Einen Monat später stehen die beiden in dem leerstehenden Geschäft der ehemaligen Tiger-Filiale in Rønne und per Händedruck wird man sich einig. Hier soll ein Bornholmer Absalon entstehen. Linda kündigt ihren Job und wird Leiterin dieses neuen „Gemeinschaftshauses“ Hodda im Herzen von Rønne.

Eine lächelnde Frau in einem hellblauen Oversize-Hemd steht in einem kreativen Raum mit einer bunten Wandkunst und Pflanzen im Hintergrund.

Linda ist eine außergewöhnliche Frau, ihr großes Herz ist sofort zu spüren, ebenso wie ihre positive Einstellung zum Leben und ihren Mut zur Veränderung. „Ja, ich bin einfach meinem Herzen gefolgt und dann kann so etwas wie das hier wahr werden“, erzählt sie. Als eine alte Dame hereinkommt, unterbricht sie unser Interview und geht ruhig und gelassen zu ihr, um ihr dieses „Folkehus“ zu erklären. „Alle sollen sich willkommen fühlen“, sagt sie danach zu mir. „Und alle, die hier arbeiten, sollen diesen Geist versprühen. Deshalb arbeitet auch keiner Vollzeit 40 Stunden die Woche, sondern nur einige „Schichten“, damit die Arbeit keine Routine wird.“
Alle bekommen die gleichen Lohn und es gibt keine Hierarchie. So dänisch, wieder einmal 😉

Während ich hier schreibe, gehen Menschen ein und aus, neben mir wird „Mühle“ gespielt. Einige arbeiten wie ich am Computer. Man sitzt zusammen, die Tischtennisbälle gehören zum Grundrauschen. Schön ist es hier! Wer hier nicht im Urlaub einkehrt, hat wirklich was verpasst :-). Noch ein Grund mehr, Bornholm zu lieben!

Aktuelle Infos über Veranstaltungen und Öffnungszeiten findet ihr auf facebook unter „Hodda Bornholm“ oder Instagram unter „hodda_bornholm“.

Und dieser Tipp kommt auf jeden Fall mit in meine nächste überarbeitete Ausgabe von „Meine 111 Tipps für deinen Bornholm Urlaub“!

Alles Liebe!

Steffi

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