Da kommt man der dänischen Volks-Seele ganz nah: „Folkemøde“ in Allinge!

Allinge, 18.06.2017
Ich hatte ja im Vorwege schon so manch´ kritische und genervte Bemerkungen zum „Folkemøde“ von Urlaubsgästen im Netz gelesen…
Verständlich, wenn man hört, dass die beschauliche Insel Bornholm für drei Tage mit über 100.000 Besuchern bevölkert wird. Und Allinge und Umgebung sich zu einer großen Zeltmeile verwandelt und mit fast 3000 Veranstaltungen aufwartet. Welche Bornholm-Fan will sich das schon „antun“? Zumal durch die Presse ging, dass die Preise zu dieser Veranstaltung in die Höhe schnellen…
Trotzdem ist es mal an der Zeit, diese Großveranstaltung zu erklären und ins richtige Licht zu rücken.

Das „Folkemøde“ findet um siebten Mal auf Bornholm statt. Es ist sozusagen ein jährliches, politisches Volkstreffen, auf dem Politik auf den Bürger trifft. An drei Tagen tummeln sich alle politischen Parteien und Gruppierungen auf unserer Insel ;-).
Das Volkstreffen ist damit eine Plattform für das Gespräch unter freiem Himmel zwischen Politikern, Bürgern und Wirtschaftsvertretern – eine neue Form der informellen Politik, die nicht durch Einzelthemen in den Medien gesteuert wird.

Als ich vor sieben Jahren das erste „Folkemøde“ besuchte, liefen die Politiker, selbst die Ministerpräsidentin, locker in der Menge herum und man konnt wirklich „shake hands“ mit ihnen machen. Heute gibt es deutlich mehr Sicherheitsvorkehrungen, aber trotzdem kommt man den Volksvertretern immer noch sehr nahe. Alle Parteien haben eigene Zelte oder Veranstaltungsorte (z.B. Hotels, Restaurants oder Schiffe!) angemietet und bieten ein breites Programm an Vorträgen, Stammtischen und Podiumsdiskussionen, gepaart mit Musikveranstaltungen u.ä.. Neben der Politik präsentieren sich alle Vereine, Organisationen und kulturelle Vereinigungen, bis hin zur Kirche.

Das „Folkemøde“ ist irgendwie wie ein Volksfest, nur mit Anspruch und „meinungsbildender Wirkung“. Im letzten Jahr gab es über 100.000 Besucher, 38.500 Übernachtungen, 700 Veranstalter und über 2300 Veranstaltungen.
Dieses Jahr wird der Rekord geschlagen, da bin ich sicher…

Als ich am Samstag auf dem „Folkemøde“ war, war da wieder dieses besondere „Flair“, das ich an Dänemark so liebe:  So viele Menschen, so hochkarätige Inhalte, so viel Programm, so viel Organisation, so viel , so viel… und doch so entspannt!
„Wichtige“ Leute in entspannter Kleidung, in entspannter Haltung, keine Hektik, kein Stress, alles eben wie ein großes Fest.
Also: Wer der dänischen Volksseele mal näher kommen möchte, wer die Besonderheit einer so volksnahen politischen Veranstaltung einmal hautnah erleben möchte, wer sich für „Land & Leute“ und den gesellschaftlichen Geist Dänemarks interessiert, der ist auf dem „Folkemøde“ genau richtig. Ihr werdet als Deutsche wenig verstehen, da alles auf Dänisch ist, ABER Ihr werdet schnuppern können, auf- und wahrnehmen.
Es ist wirklich einen Besuch wert!
Kleiner Tipp: Ich war erst so ab 17 Uhr dort, so dass sich die Menschenmassen schon ein wenig aufgelöst hatten und man nicht das Gefühl von „zuviel“ hatte.
Das Wetter hat der Veranstaltung natürlich zugespielt – ein Traum!

Schon der Fußweg vom Großparkplatz zwischen Tejn und Allinge war einfach herrlich…
überall saßen Leute, „hyggten“ sich und genossen die Stimmung und die Sonne – das Miteinander an diesem schönen Fleckchen Erde :-)).


Und am Ort des Geschehens angekommen, zeigte sich ein buntes Treiben, das wirklich Spaß macht:


Das „Folkemøde“ bietet ein von Jahr zu Jahr steigendes Angebot an kulinarischen Angeboten, d.h. ich konnte die legendäre „Gorms Pizza“ essen, aber auch das Outdoorrestaurant „Svanereden“ macht an diesen drei Tagen in Svaneke dicht und baut die rustikale Küche über dem offenen Feuer am Hafen von Allinge auf. Und auch den rosaroten Donut-Wagen treffe ich wieder ;-)… Ganz zu schweigen von den Räuchereien, die ihre Plätze mal eben um ein Vielfaches ausbauen mussten…


Hoffe, ich habe Euch ein wenig Lust gemacht, die Veranstaltung mal zu besuchen, statt darüber zu klagen… Das ist auch ein Stück Bornholm ;-).

Und auf dem Rückweg begegnete uns dann auch noch ein Vertreter des zivilen Aufstandes auf dem Großparkplatz 😉

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Alles Liebe ❤️
Steffi

12 Kommentare zu “Da kommt man der dänischen Volks-Seele ganz nah: „Folkemøde“ in Allinge!

  1. Hallo liebe Steffi!
    Mein Mann und ich sind zur Zeit im Urlaub hier auf der Insel und ich muss den anderen Urlaubern wiedersprechen.
    Wir haben die ganzen Tage nichts von dem ganzen Trubel mitbekommen, im Gegenteil, wir finden es gerade sehr entspannend hier! 🙂
    Da unser elf Monate alte Hund dabei ist, sind wir nicht dort gewesen, ansonsten hätten wir uns das Volksfest definitiv angeschaut.

    Übrigens verfolge ich seit einiger Zeit Deinen Blog und habe auch Dein eBook gekauft und bin begeistert! 🙂
    Wir haben schon einige Deiner Tips in Anspruch genommen und waren immer begeistert!

    Viele Grüße
    Katja

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      • Danke schön! 🙂
        Wir sind das erste mal auf der Insel und sofort verliebt! 🙂
        Ich muss auch sagen, dass es uns mit Hund sehr gut gefällt!
        Alle sind sehr freundlich, auch in den Restaurants und Cafés, und viele sprechen uns an und wollen unsere Frida streicheln.:-)
        Ist Eure Galerie schon geöffnet?
        Vielleicht sehen wir uns dann dort noch? 😉
        Liebe Grüße
        Katja

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      • Wie schön!!! Ja, die Galerie ist geöffnet, allerdings keine festen Öffnungszeiten. Wenn der Stuhl mit der Flagge vor der Tür steht (und das Schild unten am Hafen steht), haben wir geöffnet 🙂 Vi ses 🙂 Lg Steffi

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  2. Hallo Steffi, zuerst herzlichen Dank für Deine Berichte über unsre Traumurlaubsinsel in der Ostsee. Jetzt sind wir wieder hier und haben bereits eine reichliche Woche von dreien verbracht. Auch wir haben in Allingen schon die dänische Voksseele erleben dürfen. Wenn doch mehr Menschen mit dieser dänischen – Bornholmer Art ausgestattet wären! Doch etwas anders beuhnruhigt uns schon. Trotzt steigender Preise, die uns zwar soweit nicht stören, lässt der gewohnte Standard schon nach. Da gibt es weniger Postkästen, was zu einem Karten – Porto von 2,50 Kronen nicht passt. Dann hat unser Bäcker in Pedersker aufgeben müssen und wir sind auf das Kaufhallenzeug angewiesen, dass wir zuhause nicht essen würden. Auch den Kajak – Verleih in Aarsdalen gibt es leider nicht mehr. Läuft hier etwas aus dem Ruder? Auf der anderen Seite karrt man soviele viele Menschen per Bus über die Insel, dass wir uns schon fragen, wie das enden wird. Mit Hotelkästen am Strand mit Lärm und nicht mehr beherrschbaren Müllbergen, ähnlich wie auf den kanarischen Inseln, die auch einmal ein Natur Paradies waren? Wir hoffen, dass Ihr Bornholmer stets mit kritischem Interesse darauf achtet, dass Euer einmalig schönes Stück Heimat so erhalten bleibt.
    Vielleicht sind unsre Befürchtungen übertrieben; berechtigt sind sie allemal.
    Liebe Grüße von
    Angelika und Wolfgang

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    • Liebe Angelika und Wolfgang,
      ja, da nehmt Ihr die Insel einfach wohl ganz anders wahr, als ich es tue. Vielleicht „helfen“ auch da ein paar Erklärungen/Anmerkungen.
      Bei Postkästen wird hier genauso gespart wie in Deutschland und wahrscheinlich überall. Auch meine liebe Mutter in Hamburg hat nicht mehr ihren gewohnten Postkasten in der Nähe, der da jetzt 4o Jahre stand, sondern muss nun lange Wege zurücklegen… Ist wirklich nichts „Bornholm-spezifisches“. Das gilt auch für den Bäcker in Pedersker, denn überall werden kleine Bäckereien von den großen Ketten, die nur Bake off verkaufen, kaputt gemacht. Diese Entwicklung macht auch vor Insel keinen Halt und so finden die alten Eigentümer der Bäckerei keine Nachfolger… Das Bäckerhandwerk stirbt und das ist glaube ich ebenfalls kein „Bornholm-spezifisches“ Thema. Die vielen Busse und Menschen kann ich nicht sehen, es sei denn , du meintest die rund 100.000 Besucher zum „Folkemødet“?!
      Schade, dass das bei Euch zu sorgenvollen Szenarien im Kopf führt, denn dafür gibt es wirklich keinen Grund. „Think positiv“ heißt das Motto! Genießt den Urlaub und das kleine Paradies, das Bornhom ist und bleibt :-). Lg Steffi

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      • Berichtigung; Eine Briefmarke nach Deutschland kostet nicht 2,50 – sondern 25 Kronen. Das sind immerhin 3,50€ Porto für eine Karte nach Deutschland. So etwas passiert, wenn man mehrere Dinge Gleichzeitig erledigt. Entschuldigung. Zum eigentlichen Problem. Wir haben den Abstand von immer einem Jahr, und da fallen einem Veränderungen schon mehr auf.Und mit einer 25 jährigen Erfahrung in der deutschen Kommunalpolitik wissen wir schon, wie in teuflisch kleinen Schritten, fast unauffällig Veränderungen eintreten. Meistens gehen sie zu Lasten der Natur und der Bevolkerung, Wir hoffen und wünschen den Bornholmern, dass ihre Insel so bleibt wie sie ist.
        Liebe Grüße, Wolfgang

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  3. Hallo Steffi,
    waren in den letzten 10 Jahren immer zu Pfingsten auf „unserer“ geliebten Insel und haben diese Veranstaltung zwar nie besucht, aber uns oft gewünscht, dass es so etwas in dieser Form auch bei uns geben würde. Das mit dem Bäcker finden wir ebenfalls schade, aber so ist halt mal. Wir wohnen in einem ländlichen Gebiet in Franken, auch hier passiert es das gerade alte Familienbetriebe schließen! Da wir heuer zu Pfingsten nicht da waren, aber im Sommer noch kommen, freuen wir uns natürlich, dass wir unser Bornholm noch vor uns haben. Vielleicht finden wir auch wieder mal Zeit bei Euch reinzuschauen.
    Liebe Grüße aus dem im Moment viel zu heißem Franken
    Sonja

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  4. Hey Steffi.. konnten Dich persönlich auf Bornholm nicht antreffen.
    Hatten ein kleines Geschenk mit und ne Menge FRAGEN…
    Wùrden Euch gern pers….sprechen, da wir nun nach 50 Jahren Bornholm zu dem Entschluss gekommen sind, aufs Ø zu ziehen.

    LG

    Frank Neumann

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    • Sorry, aber ich bekomme so viele Anfragen, dass ich nicht immer persönlich zur Disposition stehen kann. Darfst du nicht persönlich nehmen, daber ich muss mich langsam etwas abgrenzen ;-). Zu Auswanderfragen kannst du gerne den „Tilflytterguide“ der Insel kontaktieren, er heißt Rune Holm und du kannst ihn unter seinem Namen und TILFLYTTERGUIDE BORNHOLM googeln 🙂 Viel Glück!!!

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