1700 Millionen Jahre Bornholm: Entstehungsgeschichte die fasziniert!

Ja, ich oute mich dann mal als „Hobby-Geologin“. Seit ich denken kann habe ich alle möglichen Arten von Fossilien gesammelt. Schon als Kind haben mich Versteinerungen fasziniert und eigentlich wäre ich gerne Geologin oder Archeologin geworden. Aber was man nicht als Job macht, dass wird dann halt ein Hobby 🙂 Als wir von Fehmarn nach Bornholm zogen, wußte ich gar nichts von der geologischen Entstehungsgeschichte Bornholms. Mir fiel nur auf, dass ich mit meinen Kindern ziemlich wenig Fossilien finden konnte. Hier gab es z.B. keine versteinerten Seeigel, die ich so gerne mit meinen Jungs am deutschen Ostseestrand gesammelt habe.
Aber mir fiel auf, dass das ja schon ziemlich besonders ist, dass die Insel eigentlich so viel Sand im Süden und so viele Klippen im Norden hat!!!??? Und als ich dann eine Saison als Naturführer bei „Naturbornholm“ arbeitete, wurde ich natürlich von den Experten in die faszinierende Entstehungsgeschichte Bornholms eingeweiht, die ich von dort an dann bei den Führungen vor allem an dänische Schulklassen, aber auch bei geologischen Wanderungen an deutsche Touristen weitergab.

Bornholm: Ein Teil einer Gebirgskette
Wenn du im Osten oder Norden auf einem Stück Klippe stehst und aufs Meer guckst, dann stehts du auf 1700 Millionen Jahren Erdgeschichte. Der Granit ist das Urgestein der Insel und wurde vor rund 1,7 Milliarden Jahren als Bergkette gebildet. Damals stießen zwei Erdplatten zusammen und so entstand ein Faltengebirge. Man nimmt an, dass zu der Zeit der Bornholmer „Berg“ rund ein bis zwei KIlometer höher war als heute.

Der Zahn der Zeit
Wind und Wetter nagte an dem Gestein, das dann über die Millionen Jahre immer mehr abgebaut wurde. Granit besteht aus Feldspat, Quarz und dunken Mineralen, auch oft Glimmer genannt. Wenn der Stein durch Witterungseinflüsse zerfällt, bleibt zum Schluss nur noch der harte Quarz übrig, der in der reinen Form als „Sand“ zu bezeichnen ist. Daher bildeten sich oberhalb des Urgesteins nun nach und nach Schichten des „Abbaumaterials“, so zum Beispiel eine Schicht von Nexøsandstein oder Balkasandstein. Dieser abgelagerte „Sand“ wurde über die Millionen Jahre zu Sandstein.

Ein Erdbeben teilt die Insel 
Vor rund 200 Millionen Jahren wurde Bornholm dann von einem Erdbeben heimgesucht, da die Insel in einer sogenannten „Subduktionszone“ liegt, in der zwei Kontinentalplatten aufeinanderstossen. Da sich die Platten immerzu bewegen, kam es damals zu einem schweren Erdbeben, das dazu führte, dass der Süden der Insel absackte und der Norden hingegen angehoben wurde. Der Bruch führt genau auf der Höhe von Aakirkeby von Westen nach Osten quer über die Insel. Daher hat man auch genau an der „Bruchstelle“ des Erdbebens das Naturmuseum „Naturbornholm“ errichtet, das eindrücklich, spannend und für Kinder interaktiv diese Geschichte beschreibt. Wenn man auf dem Außengelände des Museum  – auf dem sogenannten „Klintebakken“ – spazieren geht, kommt man an einen Punkt, an dem man die Spuren des Erdbebens genau sehen kann. Auf der einen Seite sieht man das 1,7 Milliarden Jahre alte Urgestein aus Granit und auf der anderen Seite fällt der Boden steil ab und man bestaunt eine dicke Schicht von Balkasandstein, der „nur“ 550 Millionen Jahre alt ist.

Ich versuche, das mal hier so einfach wie möglich dazustellen, wer sich näher damit befassen möchte dem ist das Buch „1700 Millionen Jahre Bornholm“ von Jørgen Butzbach zu empfehlen.

Die Eiszeiten formen die Insel
Bis zu den Eiszeiten lagen überall auf der Insel obere Erdschichten auf dem Urgranit. Die letzte Eiszeit liegt mal gerade 10.000 Jahre zurück. Davor war Nordeuropa mehrmals für lange Zeit vom Eis bedeckt. Mindestens drei große Vereisungen sind für die letzten 500 000 Jahre gut dokumentiert. Jede Eiszeit bescherte uns einen dicken, sich bewegenden Eispanzer, der in sich Sand und Steine einschloß. Als die Eismassen über Bornholm hinüber glitten, passierte Folgendes: Der Norden lag ja höher als der Süden. Die Eisgletscher glitten nun über die Insel und trugen im Norden durch ihr immenses Gewicht alles an losen Erdschichten ab, der reine Granit blieb nach. Und die Klippen liegen teilweise geradezu rund geschliffen da. Auf einigen Granithügeln kann man noch die Schleifspuren der letzten Eiszeit sehen, die sich in den Stein „hineigefräst“ haben. Der Süden hingegen lag im „Windschatten“ des Nordens und die riesigen Eisgletscher zogen über den Norden hinüber und der Süden blieb darunter „verschont“. Zum Glück für jedes Geologen-Herz, denn dadurch sind die alten Erdschichten im Süden erhalten geblieben. Und übrigens sind auch die großen Findlinge, die überall an der Küste liegen mit den Eismassen auf die Insel gekommen.

Magnet für internationale Geologen
Bornholm ist durch dieses sehr einzigartige Phänomen der Entstehung zu einer geologischen Goldgrube geworden. Jedes Jahr zieht es Geologen aus der ganzen Welt auf unser Eiland, um die besonderen Funde und Orte der Insel zu besuchen. Auf dem „Klintebakken“ bei Natur Bornholm findet man eine ganz besondere Versteinerung. Hier in dem versteinerten Balkasandstein finden sich Abdrücke von Quallen. Dieser Fund ist sehr selten und weltweit gibt es nur drei Fundorte dieser Art. Vandmand-web1200Stroebystudier-web1200(Fotos: 367ture.dk)

Versteinererte Quallen
Kein Wunder, denn wenn man sich vorstellt, wie ein Abdruck einer Qualle wohl versteinert werden kann, wird einem klar, dass da ganz schön viele Faktoren zusammen kommen müssen, damit sowas gelingt – sozusagen ein kleines Wunder 🙂 Bornholm lag damals als die Abdrücke entstanden ungefähr auf der Höhe der heutigen Copacapana. Warum und wie sich die Erdplatten ständig bewegen und warum Bornholm damals dort und heute hier liegt, wird bei Naturbornholm anhand eines Modells sehr eindrücklich beschrieben. In dem Balkasandstein sieht man noch sehr schön die Wellenbewegungen, sprich die Wellen haben damals ein Muster in den Sand geformt. Man nimmt an, dass sich direkt danach durch einen Sturm ein dicker Teppich Algen über dem Wellenkamm im Sand und die darin gestrandeten Quallen abgelagert hat. Danach kam wieder eine Schicht Sand darauf und so weiter. Dadurch wurden die Quallen sozusagen „konserviert“. Dann lag Bornholm in den darauffolgenden Millionen Jahren mehrmals komplett bedeckt unter Wasser und unter diesem Druck bildete sich nach und nach der Sandstein. Somit ist es klar, dass man nur im Süden und einem Teil des Westens der Insel Fossilien finden kann. Und auch nur bestimmte. Wo Ihr was finden könnt, ob es Bernsteine gibt und wo man echte Dinosaurier-Fussspuren gefunden hat, das erfahrt Ihr hier in Kürze…
Bornholm ist SOOOO spannend und SOOOO einzigartig, die Flora und Fauna entscheidet sich komplett vom Rest Dänemarks. Und all das hängt schlicht und einfach mit der Entstehungsgeschichte zusammen. Faszinierend oder?

Bis dahin alles Liebe!
Eure Steffi

2 Kommentare zu “1700 Millionen Jahre Bornholm: Entstehungsgeschichte die fasziniert!

  1. Danke für den Bericht, liebe Steffi; da mein nächster Bornholm-Urlaub kurz bevorsteht, war das eine willkommene Anregung, mal wieder NaturBornholm zu besuchen. Auch fotografiere ich gern die Strukturen auf Klintebakken, war dort aber bisher nur im Herbst, mal schauen, wie’s zu Ostern aussieht.

    Gefällt mir

    • Schön, dass dich das inspiriert hat. Ich finde Naturbornholm einfach immer wieder spannend und das Gelände draußen ist einmalig – gerade wenn man weiß, was da mal passiert ist 🙂 Und jeder Stein, den man findet ist ein Zeitzeuge 🙂 Wünsche Dir einen tollen Urlaub auf der Insel ❤️

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s