Neujahrs-Vorsatz: Lebe dänisch! 12 Schritte zum Bornholmer Lifestyle

Weihnachten ist überstanden, Sylvester auch und wie jedes Jahr schlagen wir uns damit herum, neue gute Vorsätze für das neue Jahr zu finden…
In England hat die britische „The Telegraph“-Journalistin Judith Woods eine ganz einfache Antwort darauf gefunden: „Lebe mehr dänisch“  ist ihr Motto und in ihrem Artikel „Do the Danes hold the key to happiness in 2015“ filosofiert sie darüber, ob es Sinn macht, sich vorzunehmen, mehr Sport zu treiben, gesünder zu essen oder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, oder ob man nicht gleich beschließen sollte, einfach den dänischen Lifestyle zu wählen. Und die Journalistin findet in der englischen Buchautorin Helen Russel gleich eine Mitverfechterin der dänischen Glückformel, denn diese schreibt nach ihrer Auswanderung in ihrem Buch The Year of Living Danishly: Uncovering the Secrets of the World’s Happiest Country, dass die Dänen das Glück mehr als einen permanenten „Geisteszustand“ sehen, und viel dafür tun, indem sie weniger arbeiten, mehr Zeit mit der Familie verbingen , sich selbst gerne etwas Gutes tun (wie zum Beipsiel Backen) und – nicht minder wichtig  – mehr Sex haben!
In ihrem Artikel sieht Judith Woods Gründe für das Glück der Dänen vor allem in der kürzesten Arbeitszeit in Europa, nämlich nur 34 Wochenarbeitsstunden, der niedrigen Korruptionsrate, des großen sozialen Verantwoetungsbewußtseins des einzelnen Bürgers und – wieder – in dem erfüllenden Sexleben im Norden ….

Lebe mehr „bornholmsk“!
Ich bin ja immer wieder total begeistert, wenn ich von anderen Seiten meine persönliche Wahrnehmung bestätigt sehe. Ich könnte mittlerweile auch ein Buch schreiben über das Lebensgefühl hier in diesem Lande. Nein, ich sollte lieber noch einen „draufsetzen“ und ein Buch darüber schreiben, was es heißt ein „Bornholmer“ zu sein. Denn auf der Insel lebt es sich noch mal um ein Quäntchen entspannter als im Rest des Dänenlandes… sagt der Lokalpatriot, denn so komme ich mir langsam vor. Nein, mal im Ernst, natürlich lebt der Bornholmer glücklicher, tiefenentspannter und gelassener, denn das war immerhin einer der Gründe, warum wir hierher ausgewandert sind :-).

Spiegel der Unentspanntheit
Schon damals im Urlaub haben wir es immer unglaublich gefunden, welche Ruhe, welchen Frieden wir hier erlebt haben. Alle waren freundlich (zumindest fast alle) und so herrlich gelassen. Damals hatte ich keine Ahnung, wie ich jemals so gelassen werden könnte. Ich war mit meinen damals noch SEHR kleinen Kindern im Dauerstress, keiner durfte laut sein, bitte nicht im Supermarkt irgendwas angrapschen und bloss nicht mit Softeis die Latzhose einsauen. Ich war wohl eine der unentspanntesten Mütter dieses Planeten und wurde blass vor Neid wenn ich diese NOA NOA-angehübschten dänischen Mütter beobachtete, die in aller Seelenruhe ihre Kinder das leckende Softeis und den vor Ketchup und Majo nur so triefenden Hotdogs essen ließen.
Minolta DSCAußerdem durften ihre Kinder auch noch glücklich durch die Gegend toben, ohne dass gleich ein lautes „Pass auf Peter, da kommt ein Auto“ oder „Jasmin, steh bitte auf und mach dich nicht dreckig“ zu hören war. Es gibt unzählige Beispiele, die mir in den letzten Jahren den Spiegel der Unentspanntheit vorgehalten haben. Und ich habe daraus gelernt. Heute würde ich behaupten, dass ich schon ein ganzes Stück dänisch, oder besser „bornholmsk“ bin. Ich habe zugeschaut, wie alle es hier machen und habe nachgemacht. Und es ist herrlich! Ich fühle mich gesünder und glücklicher als je zuvor! Das solltet Ihr auch mal machen, wenn Ihr im Urlaub seid, denn das tut soooo gut, ein „Bornholmer“ zu sein. Ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Kann man auch schon Zuhause anwenden und üben, dann ist man schon entspannt, wenn man auf der Insel ankommt! Viel Spaß!!!
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12 Schritte zum Bornholmer-Lifestyle :

1. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass Ihr hier nie schreiende und entnervte Eltern trefft (also keine dänischen 😉  ) . Ich weiß nicht wieso, aber die gibt es hier nicht. Und das ist nachahmenswert!!! Weist also niemals Eure Kinder zurecht, tadelt sie nicht, schreit sie nicht an! Vertraut ihnen stattdessen und lasst ihnen Freiheit, Auslauf und Raum zum Entdecken! Macht mehr Spaß, das werdet Ihr sehen!!!
P.S: Das gilt auch für Hunde und Hundebesitzer :-))

2. Der Insulaner drängelt nicht in der Schlange im Supermarkt. Und nörgelt nicht über das zu langsame Personal. Er steht stattdessen gelassen in der Reihe und wartet… Das könnt Ihr auch schon mal üben und macht ein paar Atemübungen dabei und denkt einfach, dass Ihr Urlaub habt. Keine Eile!

3. Hier müsst Ihr mal nicht die schnellsten sein. Rasen lohnt nicht und stresst total! Also einfach 80 Stundenkilometer auf der Schnellstrasse fahren und die Aussicht genießen! Und (siehe Punkt 1) nörgelt nicht mit dem Kids auf der Autofahrt rum sondern lächelt einfach vor Euch hin, wenn sie hinten etwas lauter sind. Für Zuhause zum Üben: Einfach mal das vorgeschriebene Tempo fahren und nicht „auf der Flucht“ sein  :-)).

4. Auf Bornholm ist es ganz normal, dass man bei Freunden oder Nachbarn einfach vor der Tür steht, ohne sich anzumelden. Guckt also auch mal spontan bei Bekannten vorbei, ganz ohne Geschenk und ohne Entschuldigung für das Hereinplatzen. Vielleicht machen die anderen das dann nach und man fühlt sich gegenseitig willkommen!

5. Grüßt die Leute, die Euch entgegenkommen. Lächelt dabei und es kommt ein Lächeln zurück! Gilt auch für Jogger, denn man darf gerne mal den anderen „Sportsfreund“ anlächeln, statt ständig angestrengt auf den Puls-Schritt- oder Wasweißich-Zähler am Handgelenk zu gucken.

6. Lasst Feierabend Feierabend sein. Familie hat Vorrang. Zuhause wartet jemand auf Euch, also geht einfach pünktlich nach Hause und lasst die Überstunden nach. Die Arbeitgeber auf Bornholm sind Arbeitnehmer-freundlich und haben im Blick, dass zu einem Angestellten auch ein Privatleben gehört. Ein guter Tipp für alle Chefs in Deutschland!

7. Besserwissen gilt nicht! Der Bornholmer lässt gerne die Meinung des anderen stehen und meint nicht, sofort mit dem eigenen „Senf“ kommen zu müssen. Wenn man DAS erst mal verstanden und erprobt hat, wirkt es sehr tiefenentspannend, denn das Spielchen „Ich hab´ Recht, du hast Recht“ hat ein Ende.

8. Dresscode war gestern! Der Bornholmer geht in Gummistiefeln einkaufen, im Blaumann zum Elterntreffen und in Wathose in die Tankstelle. Und das Tollste: Es guckt keiner komisch! Herrlich!

9. Altes wird gepflegt und wieder aufgearbeitet. Secondhand-Läden haben Hochkonjuktur und man fährt regelmässig zur BOFA (dem Müllplatz), um zu schauen, welche Schätzchen der Nachbar da so weggeschmissen hat. Altes wird wieder blank geputzt und es ist einem gar nicht peinlich, wenn man nicht immer das Neueste hat.

10. Status ist Nebensache. Mit großem Auto, teuren Designer-Klamotten oder Protz-Villa kann man bei den Bornholmern nicht punkten. Understatement ist angesagt und wer große Töne spuckt, sieht in geselliger Runde eher alt aus. Sehr angenehm, wenn Ihr mich fragt.

11. Wer was auf sich hält, hat ´nen Anhänger… Ist glaube das ist des Bornholmers liebstes Kind. Am Samstag macht jeder Gartenarbeit oder irgendwo Holz für den Winter … und da ist der Anhänger Pflicht. Wir haben noch keinen, aber dafür tauschen wir bei Bedarf immer mit den Nachbarn Auto gegen Anhänger, denn die haben beim Kauf ihres Autos nicht an die Anhängerkupplung gedacht 😉

12. Last but not least: Man geht ans Meer! Und meistens mit Hund!

So, das ist mal ein Anfang…. Fortsetzung folgt :-)) Und berichtet mal, wie das Experiment so zu Hause gelingt …

Alles Liebe

Eure Steffi

6 Kommentare zu “Neujahrs-Vorsatz: Lebe dänisch! 12 Schritte zum Bornholmer Lifestyle

  1. Ich find’s lustig. Wir machen seit 40 Jahren Urlaub in Dänemark… Warum wohl? Ganz egal wo – Dänemark ist Leben „pur“…. Ob Regen, ob Sonne… man fühlt sich einfach wohl und aufgehoben… kann ich jedem nur empfehlen. Teile alle Punkte…
    Reinhold

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  2. Pingback: Auswandern nach Bornholm: Die 10 häufigsten Fragen | Bornholm my love

  3. Deswegen liebe ich Bornhol ( oder eben Dänemark)! Ich habe einige dänische Arbeitskollegen und die sind auch tiefenentspannt. Das macht echt Spaß mit denen zusammenzuarbeiten. Ich finde auch, dass die Dänen rücksichtsvoller und respektvoller miteinander umgehen, dass hier der Zusammenhalt besser funktioniert. In Deutschland gehen diese Tugenden leider immer mehr verloren und es entwickelt sich ein Volk der “ nach mir die Sintflut“ Mentalität. Das kann man nur versuchen es besser vorzuleben. Und diese Mentalität nehme ich mir immer wieder von Bornholm mit und versuche danach zu leben. Klappt nicht immer, aber immer öfter.

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