29.04.2025
Die EU-Außenminister tagen heute auf Bornholm. Hintergrund ist die Bedrohung des Ostseeraumes durch Russland und dass sich die strategische Bedeutung Bornholms in den letzten Jahren deutlich erhöht hat. Nach der russischen Invasion in der Ukraine und der Sabotage der Nord Stream-Pipelines 2022 nahe der Insel verstärkte Dänemark seine Sicherheitsmaßnahmen in der Region. Der Ostseeraum erlebte eine grundlegende Veränderung der Sicherheitsarchitektur: Finnland trat im April 2023 der NATO bei, Schweden folgte im März 2024. Damit ist die Ostsee nun fast vollständig von NATO-Staaten umgeben.
Als direkte Reaktion auf die verschärfte Bedrohungslage stationierte Dänemark 2024 ein permanentes Kampfbataillon auf Bornholm – eine Maßnahme, die die geostrategische Bedeutung der Insel unterstreicht. Das heutige Treffen der EU-Außenminister bestätigte die einheitliche Einschätzung einer „weiterhin hohen Bedrohung des Ostseeraumes durch Russland“ und bekräftigte den Willen zur verstärkten Zusammenarbeit.
Ich lese in den deutschen Online-Medien, dass Frau Baerbock ihre letzte Amtsreise antritt und bereits gestern Abend nach einem nur 30-minütigen Flug auf dem Flughafen in Rønne gelandet ist. Ihr Flugzeug ist kaum zu übersehen 😉

(Foto: Udo Schroeter)
Ich mache mich spontan auf den Weg nach Allinge, ganz im Norden der Insel, um zu schauen, was da wohl so los ist, wenn elf Außenminister auf unsere kleine beschauliche Insel eintreffen.
Das Wetter ist ein Traum, strahlend blauer Himmel und sogar bereits am Morgen über 13 Grad warm. Ich beschließe, mein Auto am Hafen in Allinge zu parken und zu Fuß entlang des Meeres und der Klippenküste zu gehen, denn dort liegt ungefähr einen Kilometer entfernt in Richtung Sandvig das Hotel „Nordlandet“. Ein wunderschöner Weg.





An dieser Strecke findet in gut sechs Wochen wieder das jährliche „Folkemøde“ statt, das politische Volkstreffen mit allen PolitikerInnen und Organisationen Dänemarks, das jeden Juni für 3 Tage über 150.000 Menschen auf die Insel zieht. Dann stehen in dieser fantastischen Natur überall Buden und Stände und Bühnen sind aufgebaut, um Politik und Gesellschaft vielfältig miteinander zu diskutieren.
Auf dem Weg dorthin treffe ich zwei Paare, die mit mir in Richtung des Hotels laufen. Und später kommen mir noch zwei andere „Verliebte“ entgegen, sehr betont „touristisch“, und ich frage mich, ob das vielleicht alles Sicherheitsbeamte in Zivil sind? Denn sonst ist hier überhaupt nichts von Hochsicherheitstrakt zu merken. Nichts ist großartig abgesperrt, es ist ein ganz normaler, stiller (!) Vormittag. Es ist wirklich sehr still und friedlich! Dabei hatte Baerbock sogar in der Presse betont, dass man auf Bornholm deutlich spüre, „dass sich die hybride Bedrohungslage verschärft habe“ (Quelle: Bild.de).
Als ich direkt am Hotel „Nordlandet“ vorbei schlendere, sehe ich drei Polizeibeamte mit Maschinengewehren. Sehr entspannt gehen sie auf und ab, beobachten mich, als ich auf sie zukomme, und ich gehe dann zügig vorbei. Ein kurzer Blick fällt auf die draußen ausgehängte Menükarte… Das „Nordlandet“ ist mein absolutes Lieblingsrestaurant und irgendwie wundert es mich nicht, dass sich die Prominenz gerade dort trifft. Es ist eine perfekte Lage (abgeschieden), traumhafte Kulisse, beste Atmosphäre für ein Meeting und das Essen und der Service sind einfach top! Ich freue mich für das Team des „Nordlandet“, die das Hotel und Restaurant in den letzten Jahren an die Spitze der Hotellerie- und Gastronomiebranche gehoben haben.

Auf der anderen Straßenseite sehe ich ein Kamerateam und ich höre ein paar deutsche Worte. Sie gehen auf eine kleine Anhöhe, um einen guten Blick auf das Hotel und das Meer zu haben. Und folge ihnen und frage, von welchem Sender sie kommen und es stellt sich heraus, dass sie von der ARD sind und eine Live-Schaltung zu Tagesschau24 vorbereiten, um von diesem Treffen der EU-Außenminister zu berichten.

Von den drei JournalistInnen erfahre ich auch, dass die Pressekonferenz, die für 14.40 Uhr angesetzt ist, in der Burgruine stattfinden soll, die wohl in der Nähe sein soll. Sie meinen Hammershus, wirklich nur zwei Kilometer von dort entfernt. Eine gute Information, denn so nehme ich mir die Zeit, am Sandvig Hafen in „Diederichs Veranda“ noch einen Cappuccino zu trinken, um dann nach Hammershus zu fahren.

Im Café schaue ich mir die Live-Schaltung an und erfahre, dass Annalena Baerbock wohl am Abend zuvor ein schönes Abschiedsessen mit „guten Freunden und vielen Umarmungen“ im „Nordlandet“ hatte ;-).

Später, als der Wagen-Korso mit Polizeigeleit am Besucherzentrum der Hammerburg eintrifft, suche ich Frau Baerbock wohl vergebens unter all den Menschen, die aus den schwarzen Autos aussteigen. Vielleicht sitzt sie schon wieder im Flieger zurück?!

Jetzt am Abend lese ich, dass sich alle AußenministerInnen der Nordisch-Baltischen Acht – also Estland, Lettland, Litauen, Island, Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark – sowie die dazugeladenen MinisterInnen aus Deutschland, Polen und Frankreich sich einig sind über die weiterhin hohe Bedrohung des Ostseeraumes durch Russland. Alle sprechen sich für eine Zusammenarbeit bzw. ein Zusammenstehen aus. Politische Worte halt… nichts Konkretes, viel Gerede. Mal sehen, was die nächsten Tage noch darüber berichtet wird…:-).
Ich fühle mich nach wie vor sicher auf dieser Insel. Bornholm ist für mich ein Fleckchen Erde in dieser Welt, auf dem ich mich zutiefst im Frieden fühle. Wo sonst in diesen Zeiten, wenn nicht hier?
Lg Steffi




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