Bornholm 24.04.2018
Ich beobachte schon lange, wie immer mehr und mehr Lebensmittel in Plastik vergepackt werden. Doch in den letzten Monaten bin ich deutlich sensibler geworden. Und der Plastikwahn nimmt deutlich und fühlbar zu. Meine „Sensibilität“ und mein Fokus darauf hängt sicher mit dem Schreiben meines Buches „Die Weisheit der Wale“ zusammen, denn die Begegnung mit den Pottwalen in Nord-Norwegen hat mein Leben verändert. Ich bin noch mehr ins Fühlen gekommen, wie es um die Natur und das Meer steht.
(Photo: Marten Bril, Seasafai Andenes)
Ich habe in den letzten Monaten viel über die Wale und die Weltmeere recherchiert und das Plastikproblem so sehr an mich rangelassen, dass ich jetzt konkret für mich handeln muss. Ich möchte plastikfrei oder besser gesagt plastikreduziert einkaufen. Auf Bornholm. Vor der Gartensaison! Was für ein Experiment! Und die letzte Woche hat mir gezeigt, wie schwierig sich das gestalten soll. Angeblich verfolgt die Insel ja den „Bright Grees Island“-Plan, aber ehrlich gesagt kann ich davon nicht viel entdecken. Die Landwirtschaft ist hauptsächlich konventionell und einige Projekte in Richtung Bio-Kisten sind grandios gescheitert, da einfach die Nachfrage fehlt.
Ich weißt aus vielen Mails und von unseren Feriengästen, dass die deutschen Urlauber Bio nachfragen und auch sehr verwundert sind über die fehlende Mülltrennung. Und auch der Plastik-Wahnsinn wird kritisiert. Umso mehr liebt ihr den Gemüse- Obst- und Eierverkauf an den Straßenbuden, die Hofläden der regionalen Produzenten und all die kleinen, charmanten Initiativen, lokale Produkte nach vorne zu bringen. Ich bin auch ein Fan dieser Projekte und umso mehr schockiert, dass in den Supermärkten genau das Gegenteil vorherrscht. Globalisierung hoch zehn und anscheinend hat da die Verpackungsindustrie die Finger mit im Spiel, anders kann ich mir das nicht erklären. Und die Angestellen der Läden auch nicht, das hat mein Nachfragen gezeigt, denn die Antwort lautet einfach: „Das ist halt so“. Ob Fleisch, Käste, Ausschnitt, Obst, Gemüse, Pasta, Reis, ….und und und.. ALLES mit einer Kunststoff-Umverpackung, die dazu beiträgt, dass es in spätestens 20 Jahren mehr Plastik in den Ozeanen geben wird als Fische.
Die Pottwale, die in den letzten Jahren an den deutschen, niederländischen und englischen Küsten gestrandet sind, hatten Plastikmüll in ihren Mägen. Sie sind elendig verendet, da sie dieses Zeug nicht verdauen und nicht ausscheiden können. Sie schwimmen entweder mit offenem Maul durch die Meere und schlucken den Mist oder sie nehmen das Plastik am Meeresgrund zu sich, da sie es mit ihre Echoortung mit Beute verwechseln. 8 MILLIONEN Tonnen Plastik landen jedes Jahr im Meer. In den Meeresgräben liegen Unmengen von Plastik, der Oberflächen-Teppich macht nur ca. 10 Prozent von der Menge aus, die in der Tiefe liegt.
Was kann ich tun? Hilflosigkeit macht sich breit… Wir sammeln schon recht eifrig Müll an unseren Stränden auf der Insel, siehe u.a. das Projekt „Beach Guardians“ und wir tragen mit den Teilnehmern unserer „Bin am Meer“-Seminare unzählige Säcke Plastikmüll, der an den Strand gespült wird, zusammen .
Doch ich will mehr tun, denn nur die Nachfrage kann die Produktion beeinflussen. Der Konsument hat sehr viel Macht!
Die Hauptfrage: Wie haben wir früher eingekauft? Wie haben wir die Lebensmittel aufbewahrt? Ich mache mir eine Liste von all den Dingen, die wir täglich essen und gebrauchen. Und das „Grauen“ bewahrheitet sich, wenn ich bewußt die Alternativen in
den Supermärkten auf Bornholm suche. Nachdem ich weder bei Lidl, Netto, Daglig Brugsen noch bei Kvickly eine Gurke ohne Plastik drumherum bekommen habe (nicht mal in nicht Bio-Qualität), ebenso keinen Bio-Apfel, -Möhre oder Kartoffel ohne Plastiktüte, fahre ich zu ERNST nach Muleby, Nyker Strandvej 5 in 3700 Rønne (fürs Navi 😉 ).
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Allan hat den ehemaligen Bioladen von Ernst, der diesen seit über 3o Jahren in einer Garage in Hasle betrieben hatte, nach schwerer Krankheit Anfang des Jahres übernommen. Der größte Wunsch von Ernst war es, dass sein Ökoladen in gute Hände übergeht und weiterlebt. Und Ernst würde sich freuen, wenn er sehen würde, mit wieviel Liebe und Hingabe Allan Funder Kaas sein Erbe weiterführt. Aus der Garage ist ein richtiger Laden geworden und seit Kurzem sogar mit großen Lettern an der Fassade, zum Gedenken an den Gründer :-)). Allan führt den Laden neben seiner Arbeit als Grafikdesigner und hat daher nur am Donnerstag, Freitag und Samstag auf. Oder wenn das Schild draußen steht ;-).


Und Allan ist meine Rettung – und Eure, wenn Ihr auf der Insel Urlaub macht. Denn hier gibt es gaaanz viel ohne Plastik, in Bioqualität und das BESTE IST: Es gibt einen „Løssalg“, sprich man kann viele Lebensmittel aus großen Säacken in kleine Portionen abwiegen lassen. Und seine eigenen Behälter dafür mitbringen.

Auf meiner Liste stehen Haselnüsse, Mandeln, Walnüsse, Kürbiskerne, Leinsamen, getrockente Feigen, Aprikosen und und und … Herrlich! Ich nehme meine Weckgläser mit und lasse sie mir wie zu Omas Zeiten voll füllen. Das fühlt sich gut an!
Und noch was Tolles: Allan hat viele verschiedene Gewürze im „løssalg“, so dass ich mit tollem Curry, Paprika und Kümmel in meine eigenen kleinen Gläser nach Hause fahren kann.
Allan verspricht mir, dass er in Kürze auch Reis und Pasta lose verkaufen wird.
Und Ihr könnt ihn als Urlauber unterstützen, indem Ihr bei ihm einkauft. Denn sonst stirbt auch noch so ein engagiertes Projekt. Ich kaufe auf jeden Fall jetzt bei ihm wöchentlich ein, denn ich will, das Ernst bleibt!
Ich nehme bei Allan herrlich unverpacktes Obst, Gemüse und alle meine Nüsse und Ölssamen um Brotbacken mit und fahre glücklich weiter zu
Hallegård, um dort Hack, Fleisch und Salami zu kaufen. Hallegård in der Nähe von Østermarie ist tatsächlich der einzige „Schlachter “ auf der Insel, bei dem man Fleisch- und Wurstwaren (nur Salami – auch luftgetrocknete! – und Schinken) unverpackt bekommen kann. Und sehr lecker!
Später gehe ich mit meiner Tupperdose zu Kvickly in Nexø und frage, ob ich mein Steak auch direkt in mein mitgebrachtes Behältnis bekommen kann. Die Verkäuferin meint, dass sie das noch nicht erlebt hat, aber warum nicht. Also, geht doch!
Zum Glück haben wir übrigens ja auch seit letztem Jahr die Markthalle in Rønne – Torvehal Bornholm – , die die engagierten lokalen Produzenten in tollem Ambiente versammelt. Dort hat auch der Käseladen „Ostehjørnet“ aus Rønne einen Stand und ich kann endlich Käse im Stück und nicht in Scheiben und in Plasik geschweißt kaufen.
Ich werde weiter nach Alternativen suchen. Und dies ist jetzt nicht irgendein „Gutemensch“-Anliegen, sonder schlichtweg der Versuch, irgendetwas zu tun, damit wir hier auf der Insel nicht im Plastik untergehen. Bornholm ist da leider sehr, sehr „hintenan“, aber vielleicht setzt es ja etwas in Gang, wenn mehr Menschen fragen und es nicht weiterhin so hinnehmen.
Wenn Ihr Tipps für den plastikfreien Einkauf habt, so setzt diese hier gerne ins Kommentarfeld, damit andere Leser auch von Euren Erfahrungen profitieren können. Danke!
Lg Steffi




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