Steffi goes Norwegen Part 2: Orcas, Buckelwale und eine Insel

Bornholm 13.11.2016
Ich hatte es geahnt. Diese Reise zu den Walen in Nord-Norwegen würde mein Leben verändern. Jetzt bin ich seit einer Woche wieder zu Hause auf Bornholm und spüre  diese Geschöpfe und all das Erlebte immer noch ganz nah bei mir.

Was war es, was diese Woche auf der kleinen Insel in der Nähe von Tromsø so magisch gemacht hat. Was hat mich so tief berührt, bewegt? Mir einen neuen Blick auf die Welt und mich gegeben?

Rückblick: Ja, ich hatte ein Leben lang davon geträumt Wale zu sehen. Nein noch mehr: Ich wollte seit meiner Kindheit immer Walforscherin werden. Aber ich musste fast 50 Jahre alt werden, um mich auf den Weg zu machen.

Zugegebenermaßen hatte mich eine Reise auf die Azoren oder nach Australien irgendwie nie gereizt. Doch ich war auch nicht auf die Idee gekommen, dass ich Wale im Winter im hohen Norden in der Nähe des Polarkreises besuchen könnte.
Bis ich in den letzten Jahren in unseren Norwegen- und Schweden-Urlauben im Sommer immer beim Anblick des Meeres das Gefühl hatte: „Ja, ich muss Wale sehen!“ Und nicht erst in 10 Jahren, sondern jetzt!

Und als ich dann wenig später von unserem Freund Matthias Fuhrmann, der ein sehr erfolgreiches Angelguiding-Unternehmen auf Rügen hat und im Sommer Angeltouren in Volker Dapoz´  „Buttcamp“ auf Vengsøya begleitet, mir begeistert von den Walen dort oben im Winter erzählte. Er schickte mir eine Link zu einem youtube-Video von Teilnehmer im letzten Jahr  und ich konnte meinen Augen kaum trauen…


GENAU DAS wollte ich auch erleben !
Da wurde nicht lange überlegt, sondern ich meldete mich sofort an. Und meine liebe Freundin Kerstin gleich mit, denn sie ist genauso abenteuerlustig wie ich. Ich wußte, dass wir da oben ein gutes Team sein würden :-).

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Zwei Mann ähh Frauen plus drei Männer in einem Boot :-). 6 Tage lang. Bei schönstem Sonnenschein. Bei -2 bis -4 Grad. Mit Teletubbi-Anzug, Mütze und dicken Handschuhen…

Wir waren ein tolles Team auf dem Wasser.
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Jens (rechts) ,der „Kapitän“, war ein sensationeller Bootsguide mit großem Gespür für uns Fahrgäste und den Wunsch, die Wale möglichst nah zu erleben und zu fotografieren.


UND mit einem noch größerem Gespür für die Wale, denn nicht jeder „Whalewatcher“ verhält sich immer rücksichtsvoll diesen Kreaturen gegenüber. Oberstes Gebot: Abstand halten, Motor und Echolot aus.
Wenn wir merkten, dass die Orcas und Buckelwale von zu vielen schaulustigen Booten eingekreist wurden, verließen wir das Geschehen, denn wohl war einem dabei dann wirklich nicht mehr. Aber oft genug waren wir ganz alleine mit den Walen oder nur mit einem Begleitboot aus unserem Camp. Mich faszinierte die Gelassenheit der Wale, mit der sie uns und den anderen Booten begegneten. Ihre Sensibilität der Ortung. Wenn es ihnen zu bunt wurde, tauchten sie ab.

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Wenn sie es zulassen wollten, zeigten sie sich. Souveräne, freie Tiere. Ihr Familiensinn rührte mich und wir hatten das Glück, einen ganz, ganz kleinen Baby-Orca zu sehen. Nach meiner jetzigen Recherche dürfte er nur einige Tage alt gewesen sein. Ja, die Freiheit war ein großes Thema dieser Reise. Und die Klarheit. Klarheit überall, am Himmel, in der Luft, im Wasser, im Kopf, im Herzen.
Wie wohltuend. Wie wichtig.

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Die Orcas und Buckelwale ziehen seit rund fünf Jahren in die Fjorde rund um Tromsø und die Insel Vengsøya. Sie jagen die großen Heringsschwärme, die zum Laichen aus dem tiefen Ozean in die Küstengebiete der Fjorde kommen.

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Fette, fette Beute für die Orcas und Buckelwale, die von November bis Februar dem Hering in der Tiefe nachstellen, aber auch einzelne, isolierte Schwärme, sogenannte Baitballs, in flache Buchten treiben, um sie dort nach und nach aufzufressen.

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Dabei haben die Orcas, Biologen nennen die Art „Orcinus orca“, es sind die größten Delfine,  eine besondere Jagdtechnik entwickelt. Im Team treiben die Orcas Heringe zu kleineren Gruppen zusammen. Hin und wieder schlagen die Schwertwale zur Übung mit dem Schwanz auf die Meeresoberfläche. Dann wenden sie diese Hiebe unter Wasser an und prügeln auf den Heringsschwarm ein. Es ist die spezielle Jagdmethode der Orcas dieser Region, hat die aus Finnland stammende Meeresbiologin Tiu Similä durch intensive Beoachtungen herausgefunden. Die Heringe werden durch die Schläge nicht immer getötet, aber sie werden zumindest betäubt und sind dann eine leichte Beute.
Und auf dieser Jagd kooperieren Orcas und Buckelwale, so dass die Buckelwale oft zu den „Heringsbällen“ schwimmen und dann stoßartig mit ihren großen Mäulern nach oben kommen und die zusammengetriebenen Mahlzeit in einem Haps verschlingen.

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Über drei Winter hat der „Explorer“und Naturfreak Russell Baker die Orcas in der Tromsø-Region beobachtet. Nach einer Bootsausfahrt im Winter 2012 war er so fasziniert von dem plötzlichen Naturphänomen, das er dort beoachten konnte, dass er es näher erforschen musste. Und er machte beeindruckende Unterwasseraufnahmen…  bitte unten auf den Link klicken ;-).

https://www.facebook.com/plugins/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2FLearnFromWhales%2Fvideos%2F465857286947801%2F&show_text=0&width=560

Auf seiner facebookseite Learning From Whales gibt er Einblicke in seine Arbeit. Er hat sich mit sehr viel Engagement dafür eingesetzt, dass Regeln für den Whalewatching-Tourismus eingeführt wurden. Denn der Winter-Tourismus ist in den letzten Jahren durch die Wale um 400% gestiegen.

Und die deutsche Walforscherin Heike Vester erforscht seit 2004 die Orcas auf den Lofoten. Unzählige Stunden war sie auf dem Wasser, um die Kommunikation der Tiere per Mikrophon zu untersuchen. Doch man hört nicht nur das Pfeifen, Klicken und Singen der Wale, sondern vor allem Motorengeräusche von den Booten in der Umgebung. Diese und andere Geräusche – wie Sprengungen oder Bohrungen – verbreiten sich als Schallwellen unter Wasser über Hunderte von Kilometern, konnte Esra Reichert auf einer Ausfahrt mit Heike Vester erfahren. Heike leistet mit ihrem Verein OceanSounds eine unglaublich tolle Arbeit und engagiert sich sehr für einen respektvollen Whalewatching-Tourismus.

Wale in Nord-Norwegen zu sehen ist ohne Frage ein Naturschauspiel der Extraklasse, das mehr und mehr Walbeobachter und Meeresbiologen anzieht. Kein Wunder, denn diese Tiere so hautnah zu erleben, ist einfach unbeschreiblich. Ich wurde demütig, klein, still und genoss das Wunder Natur. Schönheit und Anmut pur!

Und doch taucht in mir die Frage auf, wie wir Menschen auch diese Art von Naturerleben konsumieren. Diese Frage ist auch selbstkritisch gemeint. Zu beobachten, wie nah so einige Whalewatching-Boote kamen, wie viele Taucher von den kleinen Boote direkt neben den Orcas und Buckelwalen ins Wasser gelassen wurden, nur um diesen „Thrill“ zu haben….Wann ist genug? Wann ist es dicht genug? Wieviele Wale muss man gesehen, fotografiert haben? Ich werde noch lange darüber nachsinnen. Denn es zeigt eben positiv gesehen auch viel über unsere Sehnsucht nach dem Wunder Natur und diesem hautnah beizuwohnen. Die Wale scheinen in uns Menschen ja etwas zu bewegen, das wir brauchen und suchen… Und eine Begegnung mit diesen gigantischen und schönen Tieren berührt eben mehr als Reality TV oder virtuelle Welten. Daher ist es eben so wichtig, dass wir da RAUS GEHEN und DAS SPÜREN. Das ist ja auch meine Meinung über das Angeln, wie diejenigen, die schon mehr von mir gelesen haben,  wissen…

Ich möchte das Verhalten der Wale gegenüber uns Menschen noch mehr ergründen. Denn die Ruhe und Toleranz mit er sie den Menschen auf und im Wasser begegnen, ist wirklich beeindruckend. Und doch ist es ihr Element und nicht unseres !

Die Momente, die wir in dieser Woche erleben durften, wurden in unserem Boot von Reiner Joachims, der schon im zweiten  Jahr mit der Kamera dabei war, wundervoll festgehalten wurden. Ein Geschenk, das er mich mit Euch teilen läßt :-)) Daanke!!!

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Reiner wird in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift „NaturFoto“ eine Fotostrecke seiner Aufnahmen vom letzten Jahr veröffentlichen. Die Bilder zeigen unter anderem das Fress-und Jagdverhalten der Buckelwale sehr gut. Ich freue mich darauf !!! Bei Interesse könnt Ihr sowohl seine Polarlicht-Fotos als auch deine Walfotografien bei ihm erwerben: Bitte Mail an: winchinchala2000@yahoo.de

Und er arbeitet an einem hochwertigem Panorama-Walkalender, den ich dann auch hier auf meinem Blog vorstellen werde. Vielleicht verbunden mit einer Aktion…. Denn ich habe beschlossen, mich mehr FÜR die Wale zu engagieren. Zum einen für einen sanfteren Wahlewatching-Tourismus in Norwegen, der die Wale und ihre „Grenzen“ fühlt. Und zum anderen schockt mich, dass Norwegen die Nation ist, die mehr Wale fängt als Japan und Island zusammen. Sinn und Unsinn dieser Realität möchte ich aber erst noch gründlich recherchieren, um mich darüber aussprechen zu können.

DANKE an die tolle Bootscrew Kerstin, Jens, Reiner und Arne – wegen mir nannte man uns auch das „Pullerboot“ (ich hab extrem wenig getrunken, bin fast aus Rücksichtnahme dehydriert, und TROTZDEM musste ich zum „pullern“ an Land gefahren werden… aber auch das trainiere ich bis zum nächsten Mal ;-)).

DANKE an die supernetten „Hausgenossen“ Dirk, Achim, Thomas, Christian, Sascha, Markus und Hartmut. Danke fürs tolle Kochen, das unkomplizierte Miteinander und das Aushalten unseres quirligen Gequassels.

Und DANKE an die Organisatoren Volker Dapoz und Jens Liebmann.
Ihr ward einfach klasse und habt die Woche unvergesslich gemacht ❤️

Alles Liebe ❤️
Eure Steffi

5 Kommentare zu “Steffi goes Norwegen Part 2: Orcas, Buckelwale und eine Insel

  1. Liebe Steffi,

    Ich habe eine Gänsehaut nach DM lesen deiner Mail und kann Deine Gefühle verstehen. Meine Tochter Maria ( ich habe Sie immer noch für Mats im Auge ;-)…) hat auch diesen Wunsch Wale beobachten….bisher sind es Träumereien….ich werde versuchen ihr diesen Wunsch zum Abitur im nächsten Jahr zu erfüllen….. Freue mich auf ein Wiedersehen mit Euch…..eventuell im Februar. Genießt die kommende ruhige Zeit und bleibt gesund. Euer Thomas aus Hamm

    >

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    • Oh wie schön Thomas, dass mein kleiner Reisebericht dein Verständnis für deine Tochter „geöffnet“ hat :-)). Träumereien sind ja das eigentlich wichtige im Leben, oder? Und ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass man SO einen Wunsch das ganze Leben mit sich herumträgt. Für mich hat sich wirklich ein Lebenstraum erfüllt und wie tief das geht, kann wohl nur ich selber fühlen. Toll, dass du Maria ihren Wunsch zum 18. erfüllen willst. Das wird sehr groß für sie und ist ein tolles Ritual ins Erwachsensein :-))! Und wenn du mir ihr zu Volker fährst, kannst du nebenbei auch noch richtig schöne Fische fangen. Ich erzähl dir mehr im Frühjahr…!!!! Lg Steffi

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