Nun werden wir (auch) Dänen: Die doppelte Staatsbürgerschaft , Teil 1

In der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ habe ich die Überschrift gelesen: „Heimat ist wo man herkommt und wo man ankommt“.
Wie wahr!

Seit unserer Auswanderung vor über neun Jahren sind wir Ausländer. Wir mussten uns integrieren in eine neue Gesellschaft, eine neue Kultur. Eine neue Sprache lernen. Von vorne anfangen. Drei-Wort-Sätze bilden. Aushalten, dass man angeschaut wird wie der letzte Idiot. Fühlen, wie es ist keine Worte zu haben und doch kommunizieren zu wollen. Hoch ausgebildet und mit vielen Fähigkeiten und Talenten zu kommen und doch durch die Sprache auf ein Minimum begrenzt zu sein. Wir hatten keine Not, sind nicht geflohen, sondern haben diesen Schritt in eine neue Heimat freiwillig und voller Freude gemacht. Und die Erfahrung, Ausländer zu sein, hat uns reicher gemacht. Reich an Empathie für alle Menschen, die neu in eine Gesellschaft kommen, die neue Freunde finden wollen, Kontakt zu den Einheimischen. Die ihr Wissen und Können in die Gemeinschaft einbringen wollen. Sich nützlich und wertvoll in einem Land fühlen. Sich wertgeschätzt wissen.
Man hat es uns hier leicht gemacht. Die Menschen waren freundlich und geduldig mit uns. Und doch hat es seine Zeit gebraucht, bis neue Wurzeln wachsen konnten.

Mittlerweile sind wir ANGEKOMMEN. Und Bornholm ist unsere Heimat. Und Deutschland ist unsere Heimat. Deutsch meine Muttersprache, die ich so liebe. Bis vor kurzem hätten wir wählen müssen zwischen den Nationalitäten: Deutsch oder dänisch. Da war die Entscheidung immer klar.

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Seit 1. September gibt es die doppelte Staatsbürgerschaft. Und wir haben uns entschieden, dass wir nun auch Dänen werden wollen, denn vom Herzen sind wir eben bereits beides :-). Und wir wollen die gleichen Rechte haben. Vor allem Wahlrecht!

Was bedeutet das nun ?

1. Der „Idiotentest“ äh die „Der Staatsbürgerschaftstest“

Am 2. Dezember gibt es landesweit die nächste „statsborgerskabsprøve“. Hier heißt es, 30 Fragen im Multiple Choce Verfahren zu beantworten. Quer Beet durch alle Themen: Von Geschichte, Politik, Recht, Sozialkunde, Kultur…

22 Fragen muss man richtig beantworten. Zeitfenster: 45 Minuten. Müsste doch zu schaffen sein. Beim ersten Schnelltest im Internet habe ich die Fragen mal ganz locker innerhalb von 5 Minuten abgehakt. Ergebnis: Durchgefallen. Ok, ich muss doch noch mal ein paar historische Daten üben, z.B, wann Frauen in Dänemark Wahlrecht erhalten haben, wann es die erste weibliche Ministerin gab oder ein paar politisch Eckdaten über das Parlament und Gesetzesverfahren…

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Aber zum Glück gibt es alle Infos hier im Internet und nun müssen wir halt ein wenig „pauken“.
Ich werde zusammen mit meinem Mann und meiner besten Freundin zum Test gehen. Und wenn wir den bestanden haben, gehts weiter… Mal sehen, wie lange das ganze Procedere so dauert. Zum Schluss machen wir dann ne dicke Party :-))

Fortsetzung folgt :-)) ….

Aktueller Nachtrag: Habe GERADE vor fünf Minuten im Nachrichtenticker gelesen, dass die Regierung – wie angeküngigt – die Bedingungen für den dänischen Pass verschärft hat. Ab 15. Oktober tritt die neue Regelung in Kraft. Diese beinhaltet, dass der Fragenkatalog des Tests von 30 auf 40 Fragen erhöht wird, wovon man nun 30 bestehen muss. Weiterhin wird als sprachliche Voraussetzung, das Bestehen der Prüfung auf „Dansk Niveau 3 “ gefordert, bisher reichten dafür die Sprachkenntnisse auf „Danske Niveau 2“. Das ist mal wieder eine deutliche Antwort der Dänen auf den aktuellen Flüchtlingsstrom. Und zugleich ein Beweis, wie schnell man hier politisch vom Reden ins Handeln kommt, denn die neue Regierung ist gerade erst ans Werk gegangen und schon ist diese angekündigte Forderung Realität geworden. Und das schon zum 15. Oktober. Wir dachten, dass wir unseren Antrag noch vor dem Inkrafttreten der neuen geplanten Verschärfung durchbekommen. Doch nun erst recht!!!

Alles Liebe ❤️
Eure Steffi

11 Kommentare zu “Nun werden wir (auch) Dänen: Die doppelte Staatsbürgerschaft , Teil 1

  1. Hallo Steffi ,es war sehr interessant deinen Artikel zu lesen ,ich habe ihn sehr aufmerksam gelesen ! Ich spiele schon lange mit dem Gedanken die neue Heimat in Dänemark zu suchen ! Ich bin sehr gespannt wie es bei euch weitergeht .
    LG Nils Nielsen

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  3. Huhu Steffi – viele Grüße aus Seeland! Ich habe denselben Gedanken, doppelte Staatsbürgerschaft passt perfekt zu den zwei Herzen in meiner Brust.
    Aber herrje, das mit der Statsborgerskabsprøve hab ich total verdrängt… Auch das noch! 😀 Dansk Prøve III habe ich, aber ich frag mich gerade, ob da vorher wirklich die II gefordert war?? Ich frage mich, wie das zusammenpasst, denn II bedeutet ja nur Dänisch für Leute ohne längere Schulbildung. Und I teilweise ohne schulische Vorbildung, inkl. Analfabeten. Dann könnten ja künftig nur noch die Höhergebildeten einbürgern???
    Hm, glaube ich hoffentlich nicht.
    Lg und viel Erfolg
    Mary von http://www.4nordlichter.com

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    • Liebe Mary,
      doch, so wird es wohl sein. Wie ich gehört habe, soll das Niveau für Dansk 3 auch noch weiter angehoben werden. Ich habe auch schon viel mit anderen darüber diskutiert, denn ich fand die Prüfung, die ich damals gemacht habe, auch schon recht anspruchsvoll. Wir sollten Texte analysieren bzw. Aufsätze über Themen schreiben, die einfach eine gewisse Vorbildung voraussetzen. Wenn ich da an alle meine Mitschüler auf der Sprachschule denke, waren es zum Schluss nur wenige, die mit Dansk 3 die Schule abgeschlossen haben. Kein Wunder, wenn man zum Beispiel aus Burma oder aus dem Irak kommt. Die hatten genau drei Jahre Zeit, die Sprache zu lernen und MUSSTEN danach ins Examen. Und das Bestehen war ja auch entscheidend für das Bleiberecht.
      Aber wir machen jetzt mal unsere eigenen Erfahrungen, denn mein Mann muss noch eine Prüfung ablegen und da wird er sehen, was das so konkret bedeutet…
      Ich werde weiter berichten 🙂
      Ganz liebe Grüße und „god arbejdslyst“ mit deinem Buch!!!

      Steffi

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      • Interessant – ich muss das auch mal noch recherchieren, rein aus Interesse.
        Denn das würde ja bedeuten, dass z.B. Analfabeten niemals Dänen werden können….
        War Dansk Prøve III nicht sowieso nur für Abiturienten?
        Ich habe eine Bekannte, die an einer Sprachschule Lehrerin ist, sie hat Klassen in allen Kursniveaus, d.h. I, II und III.
        Jemand, der nur I macht, wird niemals III bestehen können.
        Und bei II ist das auch fraglich.
        Wie Du schon sagst, die Dansk Prøve III hat auch von den Themeninhalten her ein solch hohes Niveau, dass man viele Jahre gute Schulbildung mitbringen muss.

        Es bleibt spannend.
        Liebe Gruesse
        Mary

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      • Hej Steffi, ja, berichte dann mal. Sowie ich das System noch kenne, wird man ja nach Bildung nach I, II und III eingeordnet. Jemand mit Bildung II wird dann gar nicht erst in Dansk Pröve III eingestuft und kann folglich auch nicht die Prüfung machen… Ich muss mal meine Bekannte fragen, die an einer sprogskole arbeitet – da wird es dann vielleicht entsprechende Änderungen geben. Interessant jedenfalls.

        Ich bräuchte nur noch die statsborgerskabspröve, aber die hat es ja scheinbar auch in sich 🙂

        Erst mal das Buch. Dann sehe ich weiter. LG Mary

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