Ein Sonntag im Januar auf der Hammerburg

Komm` wir fahren mal wieder auf die Hammerburg!
Bei diesem Vorschlag muss ich mich nicht zweimal bitten lassen.
Von Snogebæk die Küstenstrasse bis nach Allinge hochzufahren, ist jedes Mal wie ein kleiner Urlaub für mich!
Wie eine Reise in eine andere Welt. Alles ist anders im Norden: Das Licht, die Stimmung, die Landschaft, die Vegetation… Sobald ich kurz nach Nexø an der Ostküste die Klippen rechts von der Strasse entdecken kann, „schaltet“ in mir etwas um. Es kommt ein „Bretagne“-Feeling auf, denn die Granit-Klippen schlucken das Licht, das Meer ist dunkler und oft hängen um diese Jahreszeit über dem Osten und Norden mehr Wolken als bei uns im Süden.

Ich genieße die rund 45 Minuten Autofahrt. Meist schweifen die Augen in die Landschaft, die Eindrücke werden aufgenommen, selbst die Kinder sind im Auto still, denn es geht ja auf „Abenteuerfahrt“.
Der Auftrag heißt „Platten finden“, damit sind Holzplatten gemeint, die der Sturm hoffentlich in die Bucht unterhalb der Hammerburg angespült hat und die Udo gerne für seine Treibholzkunst verbauen möchte. Mats will natürlich auch unbedingt angeln, denn ohne Angel geht er eigentlich fast nirgendwo hin und die „Møllevik“ ist ein heißer Spot zum Meerforellenfischen, zumindest heute 😉
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So trennen wir uns kurz vor dem Aufgang auf die Hammerburg, denn links führt für Mats und Udo ein Weg hinunter in die Bucht, doch Marius und ich wollen die Burg erobern!

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IMG_1707Das letzte Mal, erinnert er sich, war er im Sommer mit seiner Klasse hier.  Irgendwie kann er nichts an Zahlen, Daten und Fakten entsinnen, nur dass es „total heiß und langweilig“ war. Ich versuche auch in meinem Gedächtnis irgendwas hervorzukramen, das ich über die Hammerburg gelesen habe. Aber ehrlich gesagt, tue ich mich auch etwas schwer mit detallierten Geschichtsdaten. Mich uns Marius interessiert es mehr, die Burg mit allen Sinne zu erleben und nachzufühlen, wie das „damals“ so war… Und es ist herrlich zu sehen, wie Marius die Burg an diesem Sonntag entdeckt.
Wir sind ganz alleine und er rennt von Fleck zu Fleck und will alles erklettern. Das geht nur bedingt, denn derzeit wird die Burg mit großem Aufwand restauriert, denn der ein und andere Stein sitzt nach den 800 Jahren nun doch schon ein bisschen lose. Daher muss ich Marius in seinem Klettertrieb etwas bremsen

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Doch dieser Baum darf dann aber erklettert werden!

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Andächtig und staunend über so viel Schönheit genießen wir die Aussicht. Ich erzähle ein bisschen über die Zeit im 12. Jahrhundert, als hier in „Spitzenzeiten“ mehr als 300 Menschen auf der Burg gewohnt haben. Wir entdecken einige der Heilkräuter, die die Mediziner der Burg schon damals rund um die Burg kultivierten, darunter Wermut, Malve und Wegwarte.

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Dann kommen wir natürlich zu dem „Höhepunkt“ , nämlich dem Mandelturm, der zeitweilig auch als Gefängnis gedient hat und in dem die Gräfin Leonora Cristina im Jahre 1660 über 17 Monate wegen Hochverrats hinter Gittern saß. Irgendwie beklemmend und zugleich faszinierend, diese Geschichte nachzuspüren.. Wir schauen uns die Überreste der alten Brauerei und der Viehställe an und es ist spannend, die Erklärungstafeln zu studieren. Irgendwie wie Schule, aber an einem Familienausflug am Sonntag viel packender…

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Die Aussicht Richtung Vang ist gigantisch. Doch plötzlich hören wir Marius Bruder unten in der Bucht rufen. Das kann nur „Fisch“ bedeuten. Wir erahnen aus der Entfernung, dass er einen Fisch drillt und beschliessen, schnell zu den beiden runterzulaufen, um da nix zu verpassen 😉

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Aber Zeit für ein „Abstiegs-Selfie“ muss ein 🙂

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Tja, unten angekommen, erfahren wir, dass wir das Spannendste nun doch verpasst hatten:  Eine Meerforelle beim Landen verloren, zwei weitere schöne blanke Fische im Drill entwischt. Schade, da müssen wir nachher dann doch einen Burger essen gehen 😉

IMG_1762Zum Abschluss gibt es dann noch einen obligatorischen Steine-Weitwurf-Wettbewerb zwischen den männlichen Hauptpersonen der Familie, bevor wir dann alle die Treibholz-Funde den GANZEN WEITEN WEG wieder nach oben schleppen. Da war der Hamburger dann wirklich verdient.

Die Hammerburg ist einfach ein Abenteuer.  Das historische Bauwerk ist beeindruckend und die Landschaft, der Ausblick, die Atmosphäre einfach berauschend. Wenn Ihr nach Bornholm kommt, müsst Ihr das gesehen und erlebt haben. Zur Saison hat dann auch wieder das kleine Museum am Fuße der Burg geöffnet, dessen Besuch sich wirklich lohnt, denn dort gibt es auch Original-Funde zu bestaunen, die bei Ausgrabungen gefunden wurden.
Hier noch ein schöner Link für ein paar mehr fundierten Infos.

Jetzt im Winter ist es hier an diesem Ort besonders schön, da man komplett alleine ist und das hat einen ganz besonderen Reiz. Ein perfekter Sonntag im Januar auf Bornholm ♥

Alles Liebe

Eure Steffi

4 Kommentare zu “Ein Sonntag im Januar auf der Hammerburg

  1. Danke für diese anregenden Zeilen! Ich kenne die beschriebene Küstenstraße auch recht gut und fuhr sie beim Lesen in Gedanken entlang. An Hammershus habe ich viele schöne Erinnerungen, die witzigste ist diese: Vor Jahren, als ich am Ende meines Urlaubs noch mal schnell die Burg besuchte und ein paar Fotos machte, kamen mir drei nette Leute entgegen, wie sich herausstellte, ein Bornholmer mit seinem Besuch aus Deutschland. Der Herr fragte mich auf deutsch, ob ich von ihnen dreien ein Foto machen könne, mit der Burg im Hintergrund. Das tat ich gern und während ich durch den Sucher guckte, sagte er dann noch: „Ich heiße nämlich Hammer, und das ist mein Hus.“ Darüber musste ich so lachen, dass ich die erste Aufnahme verwackelte und so musste ich dann noch eine machen.

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