Hurra!!! Die Sassnitzroute ist gerettet! Die Fähre Povl Anker bleibt!

Die beste Nachricht seit langem kam heute von dem Transportminister Magnus Heunicke, der sich mit der Bürgermeisterin Winni Grosbøll am Nachmittag auf Bornholm traf : „Wir unterstützen die Reservefähre Povl Anker mit 30 Millionen Kronen pro Jahr und damit ist … Weiterlesen

Der neue Verkehrsvertrag und die Sassnitz-Fährroute nach Bornholm

Petition gegen den neuen Verkehrsvertrag
Heute Morgen ging plötzlich eine Unterschriftensammlung durchs Netz, die dazu aufruft, sich gegen den neuen Verkehrsvertrag auszusprechen, der gerade verhandelt wurde und ab 2017 in Kraft treten wird. Ich habe sofort unterschrieben, denn das Thema ist auf der Insel seit Mitte Dezember jeden Tag die Nummer 1.
Hier mal die  Fakten:

Die Situation heute
Die Route Ystad-Rønne wird vom Staat subventioniert. In dem heute geltenden Verkehrsvertrag bezuschusst das Verkehrsministerium auch eine Reservefähre – die Povl Anker – , die bei Motorschaden oder bei Unwetter auf der Strecke Ystad-Rønne eingesetzt werden soll. Diese Reservefähre hat die Fährgesellschaft nun auch genutzt, um in den letzten Jahren die Fährkapazitäten von Sassnitz nach Bornholm auszuweiten, sprich mehrere Abgänge am Wochenende in der Saison  Grundsätzlich ist die Verbindung von Deutschland nach Bornholm eine reine kommerzielle Route, die nicht mit einer Krone bezuschusst wird und sich privatwirtschaftlich rechnen muss. Die Povl Anker ist somit eine zusätzliche Fähre, die „Færgen“ durch die staatlichen Zuschüsse auch auf der deutschen Route kostenvergünstig einsetzen kann.

Der Verkehsvertrag ab 2017
Ab 2017 gilt ein neuer Verkehrsvertrag, der Anfang Dezember 2014 vom Verkehrsministerium in Kopenhagen verabschiedet wurde. Wie der genau zustande gekommen ist, konnte ich noch nicht im Detail in Erfahrung bringen, aber Fakt ist, dass man nicht das touristische Wohl der Insel im Blick hatte und andere Interesse im Vordergrund standen. In den Verhandlungen waren gute Lobbyisten am Werk, die Bornholmer Politik hat da total versagt. Ich will aber keine politische Diskussion entfachen, sondern hier mal die Fakten nennen.

1. Die Bornholmer „bekommen“ 17 Millionen Kronen „geschenkt“, indem die Preise für die Fährüberfahrt um 10% gesenkt werden (das gilt nur für die dänische Route!)

2. Im Gegenzug dazu spart der Staat 60 Millionen Kronen ein, indem die Reservefähre Povl Anker nicht mehr bezuschusst wird und gleichzeitig die IC-Zugverbindung von Ystad nach Kopenhagen weg fällt.

3. Die neue Bezuschussung gilt für eine Reserve-Fährkapazität von mindestens 400 Passagieren, was noch in der zukünftigen Diskussion wichtig werden kann (siehe letzter Punkt „Daran wird derzeit gearbeitet“).

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Konsequenzen für die Sassnitz-Rute
Die Fährgesellschaft „Færgen“ verliert die Subvention ihrer Reservefähre „Povl Anker“ (1500 Passagiere), die dann ab 2017 nicht mehr auf der Strecke von Sassnitz nach Bornholm fahren wird. Damit wird dann nur noch die „Hammerodde“ fahren, die deutlich weniger Kapazität hat (400 Personen). Damit soll die Route 41% an Kapazität verlieren. Und für die deutschen Urlauber heißt es schlichtweg, dass nur noch knapp über die Hälfte mit der Fähre auf die Insel kommen (im Vergleich zu 2014 oder 2015). Falls es mal Sturm gibt, weiß keiner, wie das Szenario aussehen wird, sobald der Katamaran nicht mehr fahren kann und die Hammerodde dann plötzlich als Reservefähre eingesetzt werden muss. Denn die Fährgesellschaft hat die Pflicht, die Ystad-Route zu bedienen!

Mögliche Szenarien 
A: „Færgen“ befährt die Route nur mit der Hammerodde. Die deutschen Urlauber müssen möglichst früh ihre Überfahrt buchen und wer nicht mitkommt, muss mit dem Auto über Fehmarn und Kopenhagen nach Ystad in Südschweden und von dort aus mit dem Katamaran nach Bornholm. Ein weiterer Weg führt über Køge (bei Kopenhagen)  mit dem Schiff nach Bornholm oder alternativ mit dem Schiff von Travemünde nach Trelleborg und weiter mit dem Auto nach Ystad und von dort aus auf die Insel.

B: „Færgen“ stellt die Strecke ein, da die Route mit 41% weniger Umsatz zu den Jahren zuvor sich nicht mehr als lukrativ erweist. Dann führen nur noch die alternativen Wege mit dem Auto nach Bornholm (siehe Punkt A).

C: „Færgen“ geht einen neuen Weg und erweitert auf eigene Kosten die Kapazität mit dem Einsatz einer neuen, größeren Fähre, die doppelt so viele Passagiere transportieren kann. Oder sie lassen die Povl Anker nur auf der Sassnitz-Route ohne Zuschüsse zusätzlich fahren, was sich dann aber rundum rechnen muss und der Direktor hat sich in den Medien schon dagegen ausgesprochen.

D: Eine neue Fährgesellschaft übernimmt die Route, z.B. Scandlines, und baut eine neue, u.U. ausgeweitete Route auf.

Hammerodde

Daran wird derzeit gearbeitet
ALLE stehen derzeit gegen den Verkehrsvertrag auf! Die Touristiker haben sich in dieser Lage zusammengeschlossen (obwohl sich da auch so manche Konkurrenten gegenüberstehen) und richten Briefe und Mitteilungen an die Öffentlichkeit und an das Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Allen ist klar, dass bei der derzeitig verabschiedeten Vereinbarung „geschlafen“ wurde und alle sind fassungslos.

Heute richtete die Bürgermeisterin Winni Grøsbøll einen Brief an gleich drei Minister, in dem sie deutlich Stellung bezieht und dazu aufruft, den Verkehrsvertrag zu ändern.
Die Destination Bornholm arbeitet zusammen mit anderen touristischen Aktören daran, den Passus über die Reserve-Kapazität der Fähre von 400 Personen auf 1200 zu erhöhen. Das heißt konkret, dass man die Vertragsverhandlungen erneut aufnehmen will (was durchaus sehr schwer werden wird) und dabei erreichen will, dass nur eine Fähre bezuschusst wird, die Platz für mindestens 1200 Passagiere hat. Wenn dies gelingt, müsste die Hammerodde (das wäre ja die nach jetzigem Vertragsstand zukünftige Reservefähre) durch ein größeres Schiff ersetzt werden. Dieses größere Schiff könnte dann sowohl die Sassnitz-Route mit genügend Passagieren bedienen als auch die Køge-Route fahren. Diese Diskussion läuft völlig unabhängig von der Fährgesellschaft, denn im Prinzip könnte jede Reederei den Fährverkehr übernehmen.

Fazit
Leute, es ist noch nichts verloren! Alle arbeiten an einer Lösung! Die Hoffnung stirbt zuletzt! Ihr solltet unbedingt die Petition unterschreiben, aber steckt nicht den Kopf in den Sand! Wir alle lieben Bornholm und alle Bornholmer wollen die Deutschen weiterhin als gern gesehene Gäste haben. Und gerne mit Zuwachs statt Niedergang. Ich werde den Prozess im Auge haben und Euch berichten. Und wir sollten uns überlegen, wie die deutschen Urlauber ein Zeichen setzen können, damit gesehen wird, wie wichtig der Erhalt  – und möglichst noch die Ausweitung – der Sassnitz-Route ist!

Und nochmal zuletzt: In 2015 und 2016 bleibt alles wie gehabt, die Änderung tritt erst ab 2017 ein, in welche Form dann auch immer.

NACHTRAG vom 14.01.2015
Mittlerweile liegt mir folgendes Statement der Direktorin der Destination Bornholm, Pernille Lydolph,  vor, das leider das schlimmste Szenario, nämlich die drohende Schllessung der Deutschland-Route, bestätigt:

„Es wird vermutlich keine Sassnitz-Rønne Verbindung mehr geben, auch nicht nur mit dem Schiff Hammerodde, wenn der Verkehrsvertrag so bestehen bleibt. Schlichtweg, da es nicht möglich ist, mit einer Fährkapazität von 400 Passagieren eine rentable Rute zu betreiben. Derzeit hat niemand definitiv beschlossen, die Route einzustellen, aber aufgrund der Auswirkungen des neuen Verkehrsvertrages ist die Wahrscheinlichkeit einer Niederlegung der Deutschland-Route sehr groß“

Alles Liebe ♥

Steffi