Tour de France mal anders: „Team Rynkeby“ oder 18 Bornholmer radeln für die gute Sache nach Paris!

Bornholm 09.05.2017 Als ich Anfang April die Bornholmer Tageszeitung „Bornholms Tidende“ aufschlug, fiel mir sofort ein besonderer Artikel ins Auge. Sissel, die Inhaberin des Küchen- und Gartenzubehör-Ladens „Mollys“ in Snogebæk saß in einem feschen Radlerdress auf einem Rennrad und die … Weiterlesen

Und ich tu es doch! Vom Ebook und dem Mut, über seinen Schatten zu springen

So, nun wird Euch bald ein Osterei ins Nest gelegt …. Seit Montagmorgen habe ich mich in unser Ferienhaus „Pløk“ zurückgezogen. Mein Ziel: Bis Gründonnerstag fertig werden mit meinem Ebook, das nächste Woche zum downloaden auf den Markt kommen soll. … Weiterlesen

Neue Inselliebe: Svenja & Jens nach 37 Sommern im März auf Bornholm

Snogebæk 16.03.2017 Tja,  da sitze ich jetzt zusammen mit unseren ersten Gästen Svenja & Jens  in unserem neuen Ferienhaus „Pløk“ und trinke gemütlich ein „Snogebækker“-Bier. „Housewarming“ nennt Svenja das in Ihrer SMS, in der sie mich herzlich zu einem Plausch … Weiterlesen

Poetisch, still und viel Bornholm: Schweigeminute ist der Film des Jahres!

Mann, habe den Film „Schweigeminute“ mit einwöchiger Verspätung nun endlich gesehen. Und bin total hin und weg. Einfach magisch! Poetisch. Still. Zärtlich. Unglaublich schön. Eine sehr gelungene Verfilmung des Buches, das mich schon beim Lesen in seinen Bann gezogen hatte. … Weiterlesen

„Schweigeminute“-Galapremiere auf Bornholm

Heute erreichte mich dieser Kommentar auf meiner Seite: „Liebe Steffi, was für eine liebevoll gemachte Seite – Kompliment! Wir alle denken gerne an diese besondere Zeit der Dreharbeiten auf der Insel zurück – es war magisch! Wusstet ihr bereits, dass … Weiterlesen

Zwei junge Männer mit einer neuen Sommer-Idee: „Original Is“ jetzt am Snogebæk-Hafen

Die Bornholmer sind ja bekanntlich sehr kreativ und in den letzten Jahren erblühen hier und dort immer wieder neue Geschäfte, Manufakturen, Cafés und Pop Up Boutiquen. Und mich beeindruckt immer besonders, wenn junge Menschen sich trauen, ihr eigenes „Ding“ zu … Weiterlesen

„Die Schweigeminute“: Dreharbeiten im Paradies

Heute Morgen habe ich mich besonders auf das Fahrradfahren gefreut. Ziel war mal wieder mein Lieblingsstrand „Jomfrugård“, ich nenne ihn „Udegårdsvej“ in bzw. bei Dueodde. Denn gestern hatte ich in der Zeitung gelesen, dass heute dort für die ZDF Spielfilmproduktion … Weiterlesen

Filmkulisse Bornholm: ZDF dreht Siegfried Lenz-Verfilmung in Sandvig

Vor rund 10 Tagen brach das „Gerücht“ los… Meine Nachbarin kam zu mir rüber, um zu erzählen, dass sie beauftragt wurde, innerhalb der nächsten drei Wochen alle möglichen Requisiten aus den 50-iger Jahren zu besorgen. Es ginge um eine deutsche … Weiterlesen

Bornholm-Reportage im WDR: „Wunderschön“ am Sonntag 16. August zur Primetime :-)

Endlich bekommt Bornholm so viel Sendeplatz im deutschen Fernsehen, wie der Insel gebührt ! Im Juni war das WDR-Team auf Bornholm. Es hatte sich schnell auf der Insel rumgesprochen, aber wir waren leider selber im Urlaub in Schweden. So fiel … Weiterlesen

Das Wunder der Bornholmer Bienen… zu Besuch bei der Hobby-Imkerin Heike

Ich kaufe seit Jahren aus Überzeugung den guten Bornholmer Honig bei meiner Freundin Heike. Genauer gesagt ist es Snogebæker Honig, denn Heike hat ihre Bienenfamilien in ihrem Garten stehen. Ich bewundere meine Freundin für ihr Hobby und habe immer mit … Weiterlesen

Bornholmer Geschichten: Drei die ihrem Herzen folgen… ❤️

Als ich auf dem Rückweg von meinem Mini-Urlaub im Nordland Richtung Süden war, hatte ich mir vorgenommen, drei Menschen zu besuchen, über die ich schon länger berichten wollte :-). Denn sie leben aus dem Herzen und das merkt man ihrer Kunst … Weiterlesen

Sturm auf Bornholm: Treibholz sammeln im Flachwasser

Der Sturm Egon pfeift mit 25 bis 31 Meter pro Sekunde über Bornholm. Für heute sind bis 18.00 Uhr vier Meter hohe Wellen gemeldet. Die Überfahrten mit dem Katamaran nach Ystad wurden abgesagt und es fährt die Fähre Povl Anker, was wiedermal die Dringlichkeit einer Reservefähre für stürmische Zeiten unterstreicht (siehe Blogpost zu dem neuen Verkehrsvertrag).

Heute Morgen ganz früh habe ich bereits bei meiner morgendlichen Fahrradtour am Strand gesehen, dass wir Flachwasser haben, richtiges Flachwasser! Also schnell nach Hause, frühstücken und ab mit meinem Mann Udo ans Meer. Unsere Mission heißt:Treibholz sammeln!
Der Wind weht aus Südwest und das Wasser wird hinausgedrängt, ideal um bei uns in Snogebæk auf die flachen Schieferplatten im Uferbereich hinauszukommen. Udo weiß nach all den Jahren ganz genau, wann er los muss, um das richtige Holz für seine Treibholzkunst zu finden. Wir kommen am Strand an und vor uns liegt ein Paradies an Treibholzschätzen.

IMG_5942Als erstes entdeckt Udo ein fantastisches Stück eines alten Wracks. Es ist Tonnen schwer und wir bekommen es nicht alleine geborgen. Wir müssen es erst einmal liegen lassen und später Hilfe holen, um es an Land und in unser Auto zu bekommen. Es ist immer so schön, im Sommer die strahlenden Gesichter der Touristen zu sehen, die in unsere Galerie kommen und einfach nur über die schönen Funde staunen. Die Wrackstücke sollen ein paar Jahre trocken und dann will Udos daraus einen Esstisch für uns bauen – unter anderem aus Eichenholz aus dem 17 Jahrhundert! Darauf freue ich mich schon jetzt riesig!

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Es ist einfach wie eine große Schatzjagd und wir gehen Hunderte von Metern über Berge von neu angespültem Holz.
„Die Strömung bringt immer wieder neues Holz an diesen Strand. Der Wind kommt heute aus der entgegengesetzen Richtung und das Wasser wird raus gedrückt. Aber da wir gleichzeitig Hochwasser haben, kann der Wind die Wassermassen nicht auf Dauer draußen halten und so schwappt das ganze Wasser irgendwann wieder zurück an den Strand“, erklärt Udo mir seine Strategie für das Sammeln. „Deshalb kann ich hier jetzt bei Flachwasser fündig werden. Und du siehst ja wie das Wasser im Moment steigt, das bedeutet, dass in ein paar Stunden der Strand wieder überflutet ist und neues Holz aufspült. Und Morgen kann ich dann wieder losgehen.“
Ich lausche seinen Erklärungen wie ein kleines Kind, denn ich finde es immer wieder faszinierend, wie genau er das Meer kennt und weiß, wie sich der Strand mit Wind und Wellen verändert. Ich gehe gerne mit ihm mit und wir sammeln die schönsten Stücke auf. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass sein Auge ganz andere Stücke favorisiert. „Hier das ist ein ideales Dach für meine Häuser“, streckt er mir ein Stück Holz entgegen. Ich hebe dann einige Funde auf und gebe sie Udo zur „Begutachtung“ in die Hand, denn immerhin soll er sie ja später für seine Kunstwerke nutzen.
IMG_5952Einiges meiner aufgesammelten Stücke landet in Udos großen Tasche seiner Watjacke. Einiges bleibt am Strand, denn Udo hat immer gleich ein Gefühl, was mit soll oder nicht.
„Schau mal, das hier wird ein Boot“. Ein klitzekleines, rundgewaschenes Stück liegt in seinen Händen und er weiß genau, wo das hingehört: „Du hast doch den Hafen gesehen, mit dem Pier, den ich gestern gebaut habe. Da wird DIESES Boot anlegen“. Ich hätte niemals in diesen angespülten Massen so ein kleines „Accessoire“ entdeckt.
Udo hat einen geschulten Blick und ist in seinem Element. Nach und nach zeigt er mir seine „Brücken“, „Dächer“, „Stege“, zukünftige Garderoben oder eben auch mal ein „Sahnestück“, wie er es nennt. Das sind Stücke, die an sich ohne ein Zutun schon eine Skulptur darstellen und nur noch mit wenig Beiwerk ausgeschmückt werden, um dann in der Galerie auf einem der Präsentations-Säulen zu landen.
Fotogalleri Bornholm 2013Nach zwei Stunden gehen wir mit reicher Beute nach Hause. Geradezu verliebt schauen wir auf die Kiste, die jetzt bis zum Rand mit Schätzen gefüllt ist. „Da habe ich wieder viel Material zum Bauen“, schwärmt Udo…
Kaum Zuhause und in der Galerie angekommen, werden die Fundstücke gut verstaut und in Netzen zum Trocknen aufgehängt.

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Den Rest des Tages verschwindet Udo jetzt in seiner „Werkstatt“, die im Winter in der Galerie aufgebaut ist. Dort sägt, leimt und hämmert der nun den Nachmittag lang und baut wunderschöne Kunstwerke, die Geschichten vom Meer erzählen – genauso wie seine Bücher :-)) Er ist halt der Mann vom Meer ♥. Doch ab und zu legt er noch mal eine Pause ein und schaut schnell noch mal an den Strand nach dem Wasserstand….
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Bornholm morgens viertel nach acht: Glück in den Gesichtern

Ich hab´s ja schon mal in einem Blog-Eintrag im Dezember erwähnt: Ich fahre morgens immer Fahrrad! Und das mit Begeisterung! Fast bei jedem Wetter treibt es mich raus. Und es gibt vor allem zwei Gründe, warum ich das tue:
1. um ans Meer zu fahren, die Bewegung und die Natur zu genießen und
2. um die Menschen frühmorgens zu treffen und in ihre Gesichter zu schauen und mich zu freuen 🙂
Foto FahrradWie alles begann…
Die freundlichen, gar friedlichen Gesichter der Menschen hier sind mir schon weit vor unserer Auswanderung aufgefallen. Nein noch mehr, sie waren einer der gefühlten Hauptgründe, den Schritt auf die Insel zu wagen.

Ich erinnere mich noch genau, wie wir im Urlaub mit unserem damals erst einjährigem Sohn in unserem Ferienhaus hier in Snogebæk beim Frühstück saßen und aus dem Fenster sahen. JEDEN Morgen im JANUAR kam dort auf dem kleinen Trampelpfad , der von der Straße zum Meer und auch direkt an unserem Haus entlangführte, die gleichen Menschen vorbei.
Erst kam der Mann im blauen Overall vorbei, seinen hochgewachsenen Dalmatiner an der Leine. Immer zur gleichen Zeit (und das war fast noch gefühlt vor Sonnenaufgang, denn damals war unser Sohn noch ein echter Frühaufsteher), ging er mit seinem Hund Gassi. Und jedes Mal ein Lächeln auf dem Gesicht. Eine halbe Stunde später kam er vom Meer zurück und hatte immer noch einen „seeligen“ Gesichtsausdruck.
Kurze Zeit danach kam Karl mit seinem Schäferhund. Dass er Karl heißt, erfuhren wir natürlich erst nach unserer Auswanderung, denn Karl ist jetzt unser Nachbar 🙂 Karl hatte immer (auch noch Jahre später!) die gleiche Pudelmütze auf und blieb immer kurz vor dem Übergang zum Meer stehen, um in Ruhe übers Meer zu schauen. Dann ging er rechts kilometerweit in Richtung Dueodde. Er war oft der einzige am Strand und seine Austrahlung war einfach freundlich und – ich wiederhole mich – friedlich! Karl blieb lange weg und wir sahen ihn oft erst 2 Stunden später wieder am Fenster entlanglaufen. Oder wir trafen ihn am Strand, denn bis dahin machten wir dann auch schon mal die erste Tour mit unserem kleinen Racker (mit Strand-tauglicher Gummibereifung des Kinderwagens). Er grüßte uns freundlich und unterheilt sich mit uns gerne auf deutsch.
Wenn wir dann vom Spaziergang nach Haus kamen und einen Tee tranken, kam eine ganze Truppe von kleinen, mit dicken Schneeanzügen und neonfarbenen „Verkehrs-Westen“ bekleideten, Jungs und Mädchen vorbei, vorne und hinten von einem Erwachsenen begleitet. Der Snogebæker Kindergarten, rieten wir. Am Strand angekommen, tollten die Kleinen herum, buddelten im Sand und liefen mit ihren kleinen Gummistiefeln ins Wasser. Und man hörte keine Kindergärtnerin grell irgendwelche Kommandos schreien… Einfach, na was wohl: friedlich! Ich schlich mich dann ab und zu ans Meer um neugierig zu schauen, was die so machten, denn immerhin sollte mein Sohn ja auch ins Kindergartenalter kommen. Die Kindergärtnerinnen, nein es war auch ein Mann dabei, grüßten mich freundlich und es durchströmte mich ein wohliges, warmes Gefühl, irgendwie war das wie „“Nachhause kommen“.
Genau SO wollte ich auch leben, ich wollte auch so entspannte Gesichtzüge haben und eine tiefe Ruhe ausstrahlen (davon war ich damals noch Lichtjahre entfernt). Und von Ruhe und Frieden umgeben sein!
Dieses Szenario wiederholte sich drei Winterurlaube lang. Und es ließ uns nicht los, wir wollten mehr…

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14 Jahre später…
Heute sitze ich nicht mehr im Ferienhaus am Fenster und bin Zuschauer. Nein heute bin ich mittendrin! Und wisst Ihr was: Ich treffe immer noch die gleichen Menschen, nur dass ich sie jetzt kenne und ihren „Lifestyle“ teile. Auch ich gehe bzw. fahre jeden Morgen zum Meer. Und ich habe gelernt zu lächeln und zu genießen.
Karl treffe ich weiterhin jeden Morgen. Und jedes Mal, wenn wir uns begegnen, winkt er mir freundlich zu und kommt mit einem IMMER positiven Kommentar zum Wetter. „Endlich wieder Regen, das hat die Natur gebraucht“, „Hast du den Sonnenaufgang gesehen. Bei so kaltem Wetter ist die Sicht so wunderbar klar“, „Herrlich dieser Morgen, findest du nicht auch?“ Karl ist ein „Seelenfreund“, ohne dass er es weiß. Ich habe ihm bis heute nie erzählt, dass er einer meiner „Vorbilder“ war, dass er uns einfach nur durch seine Austrahlung auf die Insel gelockt hat. Ich bringe ihm ab und zu ein selbstgebackenes Brot vorbei und wir klönen. Ich mag ihn wirklich sehr 🙂

Oder der Mann mit dem Fahrrad, der jeden Morgen am Parkplatz am Turistvej steht und aufs Meer schaut. Und wenn man ihn anschaut …. lächelt er.
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Gesichter die milde stimmen
Irgendwie erschienen mir die Menschen schon seit jeher freundlicher und milder hier auf Bornholm. Was ist das Geheimnis der Menschen? Es ist sicher die Nähe zum Meer, denn die meisten treffe ich am Strand. Doch selbst der Nachbar, der morgens zu seiner Schicht in den kleinen Einkaufsladen im Dorf geht, grüßt mich überschwenglich. Oder die Hundebesitzer, die ihre Hunde ganz im Vertrauen von der Leine nehmen, damit sie miteinander spielen können. Man hört nie ein böses Wort. Wenn mir Bekannte joggend entgegenkommen, haben sie immer Zeit, stehenzubleiben und einen kleinen „Schnack“ zu halten. Es scheint, als wenn für alles Zeit ist.

5 Männer auf Morgentour
Unsere Fotogalerie liegt direkt am Fahrradweg nach Nexø. Da mein Mann und ich selbständig sind, frühstücken wir – sobald die Temperaturen und der Sonnenstand es zulassen – morgens (nach dem Fahrradfahren !) im Innenhof vor unserem Haus. Von dort haben wir Ausblick auf den Fahrradweg und einige Radler grüßen im Vorbeifahren und wünschen uns guten Appetit. Im Frühjahr letzten Jahres fiel mir eine Gruppe von älteren Herren auf, die selbst nach zwei Wochen immer noch jeden Morgen an unserem Haus vorbeiradelten und jedes Mal mir großes Gesten und äußerster Freundlichkeit grüßten (ohne abzusteigen, wohl gemerkt!). Und nach einer Stunde kamen sie zurück und die Prozedur wiederholte sich. Die Freundlichkeit war so überschwenglich, dass ich meinem Man irgendwann fragte : „Kennst du die?“. Nein, er kannte sie nicht. Irgendwann war mir dann klar, dass das keine Touristen sein konnten, denn sie radelten auch noch nach Wochen vorbei. Im Sommer fielen sie im Trubel der Touristen nicht auf, aber jetzt im Winter treffe ich sie nach wie vor jeden Tag.  Immer genau um 8.15 Uhr machen sie Halt am Parkplatz im Turistvej in Snogebæk. Egal wie das Wetter ist. Und wieder blicke ich in fünf strahlende Gesichter mit Fahrradhelm. Das macht einfach gute Laune!

Ja, darum fahre ich so gerne Fahrrad auf Bornholm morgens um viertel nach acht ♥

Alles Liebe
Eure Steffi
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Neujahrs-Vorsatz: Lebe dänisch! 12 Schritte zum Bornholmer Lifestyle

Weihnachten ist überstanden, Sylvester auch und wie jedes Jahr schlagen wir uns damit herum, neue gute Vorsätze für das neue Jahr zu finden…
In England hat die britische „The Telegraph“-Journalistin Judith Woods eine ganz einfache Antwort darauf gefunden: „Lebe mehr dänisch“  ist ihr Motto und in ihrem Artikel „Do the Danes hold the key to happiness in 2015“ filosofiert sie darüber, ob es Sinn macht, sich vorzunehmen, mehr Sport zu treiben, gesünder zu essen oder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, oder ob man nicht gleich beschließen sollte, einfach den dänischen Lifestyle zu wählen. Und die Journalistin findet in der englischen Buchautorin Helen Russel gleich eine Mitverfechterin der dänischen Glückformel, denn diese schreibt nach ihrer Auswanderung in ihrem Buch The Year of Living Danishly: Uncovering the Secrets of the World’s Happiest Country, dass die Dänen das Glück mehr als einen permanenten „Geisteszustand“ sehen, und viel dafür tun, indem sie weniger arbeiten, mehr Zeit mit der Familie verbingen , sich selbst gerne etwas Gutes tun (wie zum Beipsiel Backen) und – nicht minder wichtig  – mehr Sex haben!
In ihrem Artikel sieht Judith Woods Gründe für das Glück der Dänen vor allem in der kürzesten Arbeitszeit in Europa, nämlich nur 34 Wochenarbeitsstunden, der niedrigen Korruptionsrate, des großen sozialen Verantwoetungsbewußtseins des einzelnen Bürgers und – wieder – in dem erfüllenden Sexleben im Norden ….

Lebe mehr „bornholmsk“!
Ich bin ja immer wieder total begeistert, wenn ich von anderen Seiten meine persönliche Wahrnehmung bestätigt sehe. Ich könnte mittlerweile auch ein Buch schreiben über das Lebensgefühl hier in diesem Lande. Nein, ich sollte lieber noch einen „draufsetzen“ und ein Buch darüber schreiben, was es heißt ein „Bornholmer“ zu sein. Denn auf der Insel lebt es sich noch mal um ein Quäntchen entspannter als im Rest des Dänenlandes… sagt der Lokalpatriot, denn so komme ich mir langsam vor. Nein, mal im Ernst, natürlich lebt der Bornholmer glücklicher, tiefenentspannter und gelassener, denn das war immerhin einer der Gründe, warum wir hierher ausgewandert sind :-).

Spiegel der Unentspanntheit
Schon damals im Urlaub haben wir es immer unglaublich gefunden, welche Ruhe, welchen Frieden wir hier erlebt haben. Alle waren freundlich (zumindest fast alle) und so herrlich gelassen. Damals hatte ich keine Ahnung, wie ich jemals so gelassen werden könnte. Ich war mit meinen damals noch SEHR kleinen Kindern im Dauerstress, keiner durfte laut sein, bitte nicht im Supermarkt irgendwas angrapschen und bloss nicht mit Softeis die Latzhose einsauen. Ich war wohl eine der unentspanntesten Mütter dieses Planeten und wurde blass vor Neid wenn ich diese NOA NOA-angehübschten dänischen Mütter beobachtete, die in aller Seelenruhe ihre Kinder das leckende Softeis und den vor Ketchup und Majo nur so triefenden Hotdogs essen ließen.
Minolta DSCAußerdem durften ihre Kinder auch noch glücklich durch die Gegend toben, ohne dass gleich ein lautes „Pass auf Peter, da kommt ein Auto“ oder „Jasmin, steh bitte auf und mach dich nicht dreckig“ zu hören war. Es gibt unzählige Beispiele, die mir in den letzten Jahren den Spiegel der Unentspanntheit vorgehalten haben. Und ich habe daraus gelernt. Heute würde ich behaupten, dass ich schon ein ganzes Stück dänisch, oder besser „bornholmsk“ bin. Ich habe zugeschaut, wie alle es hier machen und habe nachgemacht. Und es ist herrlich! Ich fühle mich gesünder und glücklicher als je zuvor! Das solltet Ihr auch mal machen, wenn Ihr im Urlaub seid, denn das tut soooo gut, ein „Bornholmer“ zu sein. Ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Kann man auch schon Zuhause anwenden und üben, dann ist man schon entspannt, wenn man auf der Insel ankommt! Viel Spaß!!!
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12 Schritte zum Bornholmer-Lifestyle :

1. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass Ihr hier nie schreiende und entnervte Eltern trefft (also keine dänischen 😉  ) . Ich weiß nicht wieso, aber die gibt es hier nicht. Und das ist nachahmenswert!!! Weist also niemals Eure Kinder zurecht, tadelt sie nicht, schreit sie nicht an! Vertraut ihnen stattdessen und lasst ihnen Freiheit, Auslauf und Raum zum Entdecken! Macht mehr Spaß, das werdet Ihr sehen!!!
P.S: Das gilt auch für Hunde und Hundebesitzer :-))

2. Der Insulaner drängelt nicht in der Schlange im Supermarkt. Und nörgelt nicht über das zu langsame Personal. Er steht stattdessen gelassen in der Reihe und wartet… Das könnt Ihr auch schon mal üben und macht ein paar Atemübungen dabei und denkt einfach, dass Ihr Urlaub habt. Keine Eile!

3. Hier müsst Ihr mal nicht die schnellsten sein. Rasen lohnt nicht und stresst total! Also einfach 80 Stundenkilometer auf der Schnellstrasse fahren und die Aussicht genießen! Und (siehe Punkt 1) nörgelt nicht mit dem Kids auf der Autofahrt rum sondern lächelt einfach vor Euch hin, wenn sie hinten etwas lauter sind. Für Zuhause zum Üben: Einfach mal das vorgeschriebene Tempo fahren und nicht „auf der Flucht“ sein  :-)).

4. Auf Bornholm ist es ganz normal, dass man bei Freunden oder Nachbarn einfach vor der Tür steht, ohne sich anzumelden. Guckt also auch mal spontan bei Bekannten vorbei, ganz ohne Geschenk und ohne Entschuldigung für das Hereinplatzen. Vielleicht machen die anderen das dann nach und man fühlt sich gegenseitig willkommen!

5. Grüßt die Leute, die Euch entgegenkommen. Lächelt dabei und es kommt ein Lächeln zurück! Gilt auch für Jogger, denn man darf gerne mal den anderen „Sportsfreund“ anlächeln, statt ständig angestrengt auf den Puls-Schritt- oder Wasweißich-Zähler am Handgelenk zu gucken.

6. Lasst Feierabend Feierabend sein. Familie hat Vorrang. Zuhause wartet jemand auf Euch, also geht einfach pünktlich nach Hause und lasst die Überstunden nach. Die Arbeitgeber auf Bornholm sind Arbeitnehmer-freundlich und haben im Blick, dass zu einem Angestellten auch ein Privatleben gehört. Ein guter Tipp für alle Chefs in Deutschland!

7. Besserwissen gilt nicht! Der Bornholmer lässt gerne die Meinung des anderen stehen und meint nicht, sofort mit dem eigenen „Senf“ kommen zu müssen. Wenn man DAS erst mal verstanden und erprobt hat, wirkt es sehr tiefenentspannend, denn das Spielchen „Ich hab´ Recht, du hast Recht“ hat ein Ende.

8. Dresscode war gestern! Der Bornholmer geht in Gummistiefeln einkaufen, im Blaumann zum Elterntreffen und in Wathose in die Tankstelle. Und das Tollste: Es guckt keiner komisch! Herrlich!

9. Altes wird gepflegt und wieder aufgearbeitet. Secondhand-Läden haben Hochkonjuktur und man fährt regelmässig zur BOFA (dem Müllplatz), um zu schauen, welche Schätzchen der Nachbar da so weggeschmissen hat. Altes wird wieder blank geputzt und es ist einem gar nicht peinlich, wenn man nicht immer das Neueste hat.

10. Status ist Nebensache. Mit großem Auto, teuren Designer-Klamotten oder Protz-Villa kann man bei den Bornholmern nicht punkten. Understatement ist angesagt und wer große Töne spuckt, sieht in geselliger Runde eher alt aus. Sehr angenehm, wenn Ihr mich fragt.

11. Wer was auf sich hält, hat ´nen Anhänger… Ist glaube das ist des Bornholmers liebstes Kind. Am Samstag macht jeder Gartenarbeit oder irgendwo Holz für den Winter … und da ist der Anhänger Pflicht. Wir haben noch keinen, aber dafür tauschen wir bei Bedarf immer mit den Nachbarn Auto gegen Anhänger, denn die haben beim Kauf ihres Autos nicht an die Anhängerkupplung gedacht 😉

12. Last but not least: Man geht ans Meer! Und meistens mit Hund!

So, das ist mal ein Anfang…. Fortsetzung folgt :-)) Und berichtet mal, wie das Experiment so zu Hause gelingt …

Alles Liebe

Eure Steffi

Eine Bornholmer Weihnachtsgeschichte anno 2010: Bornholm versinkt im Schnee

In diesen Tagen kurz vor Weihnachten denke ich an das Weihnachtsfest vor vier Jahren zurück. Und ich glaube, dass sich ALLE Bornholmer daran noch genau erinnern. Ich habe mal einen Artikel herausgesucht, den ich damals geschrieben habe und der durch die Presse ging…. Eine schöne Bornholmer
Weihnachtsgeschichte
, die viel über die Menschen hier erzählt und mit der ich mich jetzt in den Weihnachtsurlaub abmelde :-)) Ich wünsche Euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise Euer Lieben und ein tolles, kraftvolles, und erfülltes Jahr 2015. Ich freue mich, im nächsten Jahr viele Bornholmer Geschichten und Erlebnisse mit Euch teilen zu dürfen!
Alles Liebe Eure Steffi

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Katastrophenhilfe auf Bornholmer Art 
„Die kleine, alte Frau lächelt freundlich und geht mit ihrem Stock die vereisten drei Stufen zum Eingang des kleinen Ladens für Garn- und Strickwaren hoch, um den anderen Passanten Platz zu machen. Die Gehsteige sind spärlich vom Schnee geräumt, die Menschen, die zu Fuß zum Einkaufen gehen, teilen sich geduldig die Wege und Gassen, die frei geschaufelt sind. Alle sind freundlich, lächeln, die wenigen Autofahrer, die an der verschneiten Kreuzung stehen, warten geduldig und immer mit einem Lächeln im Gesicht, bis sie an der Reihe sind. Jeder macht jedem Mut, denn das braucht man in dieser Zeit auf der dänischen Insel Bornholm.
_MG_3203Schneerekord auf der Insel
Ein besonderes Weihnachten 2010 war das. Ein Weihnachten, das Bornholm in aller Welt bekannt gemacht hat. Fast 100 Millionen Tonnen Schnee lasten derzeit auf der Klippeninsel in der Ostsee im Dreieck zwischen Rügen, Südschweden und Polen. Damit hält Bornholm den Schneerekord in Skandinavien. Die für das milde, ja geradezu mediterrane Klima bekannte Ostseeinsel, wird bedeckt von einer Schneeschicht von durchschnittlich 1,40 Höhe und Schneeverwehungen von örtlich bis zu 6 Metern. Das hat dazu geführt, dass am Tag nach Weihnachten Katastrophenalarm ausgelöst wurde. Die örtliche Polizei und die Schneeräumdienste wurden nicht mehr Herr der Situation. Obwohl die Lage eigentlich abzusehen war, denn seit dem 26. November hat es immer wieder geschneit. Und vor Weihnachten wurden fatale Schneestürme von 14 Metern pro Sekunde gemeldet, sie die gesamten Weihnachtsfeiertage über die Insel fegen sollten. Aber es war ja Weihnachten. Und in dieser so stillen und gesegneten Zeit glauben die Menschen an Wunder, an den Weihnachtsmann und alles im Land strebt danach, zu den Lieben nach Hause zu kommen, um um den „juletræ“ zu tanzen und das traditionelle „flæskesteg und risalamande“ (eine Art Schweinebraten mit dicker Kruste und zum Nachtisch ein mit Mandeln und Sahne veredelter Milchreis) im Kreise der Familie zu verspeisen. Und so bestiegen die Weihnachtshungrigen trotz aller Wetterwarnungen die Fähre, die von dem südschwedischen Ystad nach Bornholm fährt, sie buchten Flüge und ergatterten sich die letzten Plätze in den überfüllten Zügen. Der Wille, das Weihnachtsfest bei der Familie zu verbringen, sollte Berge versetzen. Doch die Bornholmer und deren Familien wurden eines besseren belehrt, nämlich dass die Natur nicht zu bezwingen ist.

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Ein Weihnachtsfest, das in Erinnerung bleibt
Am Tag vor Heiligabend kamen die Menschen von überall her noch in der Hafen- und Hauptstadt Rønne an, doch sie kamen nicht mehr weiter. Rund 1500 Menschen landeten mit Schiff und Flugzeug in der 15.000 Einwohner großen Stadt. Wer Verwandte in der Stadt hatte, blieb dort, die anderen wurden in der Kaserne, in Sporthallen und auf der Fähre „Poul Anker“ untergebracht. Und so wurde es für mehrere Hundert Menschen ein ganz besonderes „julefest“. Dank dem großen Engagement der einheimischern Geschäftsleute und unzähligen privaten Mithelfern, fehlte es für die „Gestrandeten“ an nichts: mit Weihnachtsbraten, Weihnachtsbaum und Weihnachtsmann mit Geschenken für die vielen Kinder konnten die Inselgäste ein Fest feiern, das ihnen lange in Erinnerung bleiben wird.

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Notstand in den Schneemassen
Und viele Familien auf der Ostseeinsel feierten das Fest alleine oder nur mit einem Teil der Angehörigen, denn die Bornholmer konnten einfach nicht zueinander kommen. Und wenn dann nur zu Fuß. Und auch der Fußweg wurde unter strengster Warnung per Radioansage am Heiligenabend untersagt. Der Schneesturm fegte unerbitterlich bis zum 2. Weihnachtsfeiertag über der Insel. Wenn nicht mit dem Auto und nicht zu Fuß, dann blieb nur noch zu Wasser. So machte ein Fischer am 1. Weihnachtstag seine „Trine-Louise“ klar, um seine Familie auf dem Seewege vom Rønne Hafen nach Nexø heimzuholen – und er nahm so viele andere Passagiere mit, wie das Schiff tragen konnte. Doch in der Mitte und im Norden der Insel spitzte sich die Lage immer mehr zu. Mehrere hundert Menschen wurden in den Schneemassen auf dem Lande eingeschlossen. Festgehalten auf ihren Höfen, isoliert von der Außenwelt und mit langsam ausgehenden Notrationen an Essen, Feuerholz, Öl oder Futter für die Tiere. Sobald sich am Montag nach Weihnachten der Schneesturm  und das Weihnachtsfest zugetragen hatten, rief die Bornholmer Bürgermeisterin Winni Grosbøll den Notzustand aus und bat um Katastrophenhilfe vom Festland.

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Mit „hygge“ der Situation trotzen
Zu spät sagen die Kritiker, die unken, dass die Bürgermeisterin sich in aller Seelen Ruhe über die Weihnachtstage in ihre private „Familienhygge“ zurückgezogen hat und sich erst wieder danach „im Dienste“ fühlte. Doch die „hygge“ ist wohl das, was den Bornholmer derzeit die Notsituation so gut ertragen lässt. Man „hyggt“ sich halt, in der Familie, mit Freunden und zur Not mit sich selbst. „Hygge“ ist so etwas wie Gemütlichkeit, doch so richtig trifft es dieses Wort auch nicht. „Hygge“ ist mehr, sie ist etwas, was man im Blut haben muss, wenn man hier in der winterlichen Einsamkeit und in solchen extremen Zeiten ohne depressive Spätschäden oder amokartigem Kurzschlusshandlungen überleben will. Kurz: man muss sich selbst aushalten können und eine Situation annehmen wie sie. Mit einer stoischen Ruhe ertragen die Menschen den Schnee, machen das Beste daraus, zünden eine Kerze im Dunkeln an und begnügen sich mit dem, was ihnen zur Verfügung steht.

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IMG_6960Selbsthilfe auf facebook
Als der im Schnee eingeschlossene Steen S. aus Klemensker nach sieben Tagen Isolierung das erste Mal Besuch von einem Fernsehteam bekam, beschrieb er die Lage so:“ Nein, uns hat nichts gefehlt, wir haben den Weihnachtsbaum angezündet und angeschaut. Dreimal am Tag habe ich mich zu dem Hühnerstall durch den Schnee durchgekämpft, um ihnen immer frisches, nicht gefrorenes Wasser zu geben. Sie sollten ja auch nicht Not leiden. Nein, wir hatten es gemütlich“, lächelt der Mann etwas müde. Doch immer noch sind rund 500 Menschen im Schnee gefangen und für einige wird die Situation langsam kritisch. Die junge Mutter eines 14 monatigen Babys, die seit dem 22. Dezember zwischen den Dörfern Østerlars und Arsballe alleine eingeschlossen ist, hat vor einigen Tagen eine Selbsthilfe-Gruppe auf facebook eingerichtet. Innerhalb von ein paar Tagen hat die Gruppe fast 350 Mitglieder, die sich rege über deren Situation und mögliche Hilfen austauschen. Da werden Nachbarhilfen, Fahrdienste oder Vorrats-Tauschgeschäfte verabredet, doch das Wichtigste ist: Man ist nicht alleine. Maia stellt regelmäßig die neuesten Meldungen ins Netz, die Ruten, wo der Schneeräumdienst schon durchgekommen ist. Die Männer mit ihren schweren Fahrzeugen machen Überstunden diese Tage. In einigen Gegenden dauert es mehr als einen Arbeitstag, um eine Strecke von 100 Meter Wegstrecke zu räumen. Viele Höfe haben mehrerer Hundert Meter von der nächsten kleinen Straße bis zu ihrem Haus. Und von  der Straße sind es wiederum mehrere Kilometer bis zur nächsten Landstraße.

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Mutmachen im Radio
Die Insel ist mit ihren ca. 42.000 Einwohner auf 588 Quadratkilometer dünn besiedelt. Grund und Boden ist nicht teuer hier und der Traum so mancher Familie ist ein Bornholmer Fachwerkhof im alten Stil mit viel Land drum herum .Ein Traum, der in diesem Winter zum Albtraum wird. Doch die Insulaner haben jetzt Hilfe vom Festland bekommen. Jeden Tag treffen mit der „Bornholmerfærgen“ weitere Schneeräumfahrzeuge und Bagger ein. Die Hilfsangebote kommen sogar auch aus dem Ausland. Und ein von Kopenhagen gesendeter Helikopter bringt Notrationen und dringend benötigte Medikamente zu den Betroffenen. Die Insel Bornholm schreibt Geschichte diesen Winter. Doch wie gesagt, die Bornholmer zeigen in diesen Tagen dem ganzen Land, aus welchem „Urgestein“ sie gemacht sind. Jeder hilft jedem, ohne zu fragen, was es kostet, oder ob es sich für ihn lohnt. Die Not schweißt zusammen. Und da die Abgeschlossenheit ja im besten Fall auch die kreativen Sinne anregen kann, so entstand in den Übungsräumen der jungen Band des touristischen Fischerdorfes Svaneke jetzt auch der erste „Notsong“: „Ø-landshjælp“ heißt der Song und im Refrain bitten die Bormholmer Jungs um Hilfe: „Giv en hånd til Bornholm, for vi keder os ihjæl. Giv en hånd til Bornholm, vi kan ikke klare os selv” (Helft der Insel Bornholm, bevor wir uns zu Tode langweilen. Helft der Insel Bornholm, denn wir können es nicht alleine schaffen..”) Und so wird der erste Insel-Notsong im Radio gespielt und alle trällern mit… Die Bornholmer machen eben das Beste daraus.

Der Stadt-Adventskalender: Gudhjem und Svaneke öffnen ihre Türchen…

An diesem dritten Advent gehen in Gudhjem und Svaneke zwei Türchen bzw. Fensterläden auf. In Gudhjem im Haus der Familie Kofod im Malkestien 2.
Um 19 Uhr treffen sich die Einwohner des Städchens an der Ostküste vor dem Haus der Kofods. Der Hafenchor ist dabei, es werden Gesangsblättchen verteilt und alle stimmen an…. Dann öffnet der Hauseigentümer das bis dahin geheimnisvoll geschlossen gehaltene  Fenster und offenbart, was sich dahinter verbirgt. Da ist der Phantasie keine Grenzen gesetzt…. Es wird Selbstgebasteltes gezeigt oder ein Tannenbäumchen, ein paar „Nisser“ oder oder … Der Hausherr oder -Dame reichen einen Punsch oder selbstgebackene Kekse. 10679867_10204018115345703_3692438199071612320_oErfunden und organisiert wird der „lebende Adventskalender“ in Gudhjem von dem Geschichtenerzähler Steiner, der im letzten Jahr den Wunsch hatte, die Menschen in seinem Heimatörtchen zur Adventszeit zusammenzubringen. Im kalten Dezember-Monat, der bekanntlich im Norden besonders frostig ist, tut es ungemein gut, etwas in Gemeinschaft zu erleben und sich mit netten Gesten gegenseitig zu wärmen. Und alle Gudhjemer machen begeistert mit und es haben sich auch in diesem Jahr mehr Teilnehmer gemeldet, als Türchen vorhanden sind. Heute, am 13. Dezember treffen sich rund 50 Bürger des Städtchens vor der Tür der Familie Post. Groß und Klein sind gekommen, sie haben ihre Laternen mitgebracht oder Taschenlampen, um die Texte in den extra gefertigten Gesangsmappen mitlesen zu können. Man kennt sich, doch auch Neue werden herzlich begrüßt.

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Alle warten geduldig vor der Tür und um punkt 19 Uhr spielt die Violine auf, ein anderer hat eine Gitarre mitgebracht, und gemeinsam werden zwei Weihnachtslieder gesungen. Dann, fast feierlich mit Geigenmusik untermalt, wird die dänische „Klönschnack“-Tür im oberen Teil geöffnet …und hervor kommt ein „Engel“, der für alle das klassische „Santa Lucia“-Lied singt, das man in diesen Tagen in Dänemark überall hört,  und alle stimmen mit ein.
ohne rote Augen

IMG_5539Danach stehen alle zusammen, trinken einen heißen Kaffee, klönen und essen einen der leckeren hausgemachten „Santa Lucia“-Brote, die die Gastgeber verteilen.
Der Julekalender führt die Menschen in Gudhjem zusammen, das kann man spüren an diesem Abend. Die Bewohner wissen anhand eines Kalenders, wer wann wo sein Türchen öffnet. Es werden 23 Tage vergeben, denn der 24. Dezember wird feierlich um 16 Uhr vor der Kirche geöffnet und man singt den Heiligabend ein.

1048524_974980219195475_4257536505088189451_oIn Gudhjem findet der „Julekalender“ bereits im zweiten Jahr statt. Und da Steiners (s.Bild unten) Idee so ein durchschlagender Erfolg war, hat sich in diesem Jahr das Städtchen Svaneke gleich dazugesellt. Hier wurde die Idee etwas abgewandelt und der Julekalender wird von den Gewerbetreibenden organisiert. Die schönen Geschäfte und Fassaden laden dazu ein, sie als Adventstürchen zu dekorieren und die Kinder gehen gleich am 1. Dezember auf „Schatzjagd“, um herauszubekommen, wo wann welches Türchen geöffnet wird. Denn manchmal wartet so manche Leckerei dahinter, wie man bei der kleinen Gummibärchen-und Eis-Manufaktur „Mermaids“ sehen kann. kalender-22-steinerwww1517923_10152418862726496_3997266363593508247_n10563199_10152417751831496_7124056939328854179_nUnd vor deren Fenster die Inhaberin kleine Leckerbissen an die vielen Svaneke-Bürger verteilt, die an diesem Abend gekommen sind. 10444409_10152417753106496_2924196736301038761_n 1511620_10152417752571496_3073338482705283758_o10255429_10152417753121496_4952810982374848164_nEine tolle Idee finde ich! Der Abend in Gudhjem hat mir wieder gezeigt, wie sehr mir die Menschen hier am Herzen liegen ♥ Danke Bornholm! ♥

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Bornholmer Uhr in neuem Design

Und wieder so eine tolle Bornholmer-Erfolgsgeschichte, die viel von den Menschen hier erzählt. Von ihrer Kreativität, ihren Träumen, ihrem Mut und ihrer Kraft.

10338420_659458714150185_1361596267721511874_oDen Traum wagen
Zwei Frauen lernen sich 2009 als Absolventen der Glas- und Keramikschule in Nexø kennen. Sie wissen gleich, dass sie gut miteinander harmonieren und träumen von einer gemeinsamen Werkstatt. Mie Mølgaard hat eine Tochter und Sussi Marcussen drei Kinder. Beide Frauen sind alleinerziehend und auf der Suche nach einer neuen Bestimmung. Das Leben kommt dann für beide doch ganz anders. Sussi wird schwer krank mit Morbus Bechterew, erträgt die Schmerzen nur mit Morphium und landet im Rollstuhl. Doch sie will nicht aufgeben und hat weiterhin den Traum, als Keramikerin zu arbeiten. Sie liest unaufhörlich im Internet über ihre Krankheit und beschließt schließlich, ihre Ernährung konsequent umzustellen. Das Wunder geschieht, nach 2 Monaten setzt sie das Morphium ab und ihr Zustand bessert sich von Tag zu Tag. „Damit begann für mich ein neues Leben und ich wußte sofort: Jetzt will ich meine eigene Keramik starten“, erzählt Sussi. Sie spricht mit ihrer damaligen Freundin Mie und die beiden sind sich einig, ihren Traum zu wagen. Beide Frauen sind arbeitslos und starten nebenbei in kleinen Schritten ihre Selbstständigkeit.

1932573_694831003946289_3605932504034012700_o10505282_689956521100404_52720132354076164_nDie Uhr, die eine Lampe werden sollte
Die beiden mieten eine Werkstatt an und renovieren diese Stück für Stück. Sie experimentieren Tag für Tag. Sussi zeichnet und illustriert. Und eines Tages haben sie die Idee, eine Lampe aus Porzellanton herzustellen. Die Stücke sollen mit auf eine Ausstellung, doch es will nicht glücken. Die Lampe sieht nicht aus wie eine Lampe, das Porzellan ist im Brennvorgang geschrumpft, die beiden sind unzufrieden. Doch plötzlich kommt ihnen die Idee, daraus eine Wanduhr zu machen…
Gesagt, getan. Es wird ein Uhrwerk eingebaut, ein Zeiger gesetzt, der Prototyp ist fertig :-))

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10659201_661195220643201_5667043316866044761_nErfolg im Sauseschritt
Und von da an geht alles ganz schnell… Anfang September diesen Jahres starten Mie und Sussi eine facebook-Seite und veröffentlichen ihre erste Uhr. Da das Design umwerfend schön ist, geht die Nachricht rum wie ein Lauffeuer… Da ist eine Insel einfach toll, denn Neuigkeiten verbreiten sich wie im Fluge. Eine dänische Design-Bloggerin wird auf „Mølgaard & Marcussen“ aufmerksam und ihr Beitrag macht das Design-Duo plötzlich landesweit bekannt. Und die Bloggerin gibt den beiden ihren „Brand“, denn sie nennt die neue Uhr „Bornholmer Uhr“, als Nachfolger der bekannten Standuhr aus der Biedermeierzeit. Diese Marke heizt das Lauffeuer an… Ihre Fans häufen sich – und die Aufträge auch. Die beiden Frauen können der Nachfrage gar nicht nachkommen, denn jede Uhr wird per Hand und mit viel Liebe erarbeitet.

1897728_681852638577459_1761629312577539305_nImmer dabei: der Werkstatt-Hund Mella :-))

10405258_692763607486362_7660601601047897229_nDas Fernsehen TV2 Bornholm berichtet, die Zeitungen schreiben und die Auftragsbücher füllen sich.

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„Kan du drømme det, kan du gøre det“
Die beiden Existenzgründer verbindet ihr Spirit und ihr Gründergeist. Ihr Motto „Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch machen“ gibt ihnen Flügel. Das was derzeit in ihrer Werkstatt und in den sozialen Medien passiert, übersteigt alle ihre Erwartungen. Es gibt eine Warteliste von Käufern und diese warten geduldig auf ihre Post. Ja, du liest richtig. Die Uhren werden von Mie und Sussi in alle Welt versendet. Wenn du so eine fantastische Bornholmer Uhr haben möchtest, so kontakte die beiden auf facebook oder Telefon 0045 – 81 75 48 67
https://www.facebook.com/pages/M%C3%B8lgaard-Marcussen/653233241439399?hc_location=timeline

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Hier geht´s bunt rund..
Die Bornholmer Uhr  haben ca. 20 cm Durchmesser und es gibt sie derzeit in den Farben weiß, hellgrau, dunkelgrau und eisblau. Doch die beiden arbeiten mit Hochdruck an anderen Pastellfarben, wie z.B. mint. Doch bei der Farbe des Sekundenzeigers geht es bunt her. Hier kann der Kunde selber seinen Farbwunsch äußern und die beiden haben eine ganze Palette an Farbsprays, mit denen sie die Zeiger aufpeppen. 10437353_675261085903281_2698899547336285231_n

Ein Ladengeschäft im Sommer
Doch der Traum hat erst begonnen. Gerade haben die beiden 750 Kartons zum Verpacken geordert. „Think big“, schmunzelt Sussi. Und im Sommer wollen die beiden gerne ein Ladengeschäft eröffen, in Gedanken richten sie es schon ein und ich habe vor Augen, wie es aussehen wird. Eben ganz „Mølgaard & Marcussen“. Ich lasse mich von ihrer Begeisterung anstecken und weiß, dass DAS glücken wird. Ich drücke Euch SOOOOO sehr die Daumen Mie und Sussi! Und ich bestelle eine echte Bornholmer Uhr für unser Ferienhaus, denn eigentlich finde ich Uhren nicht schön und wichtig. Aber DIESE Uhr muss ich haben!!! Muss mich nur noch entscheiden, welche Farbe der Zeiger haben soll…

Eure Steffi

Ich bin ein Bornholmer. Ein Werbeslogan geht in die Welt.

1509699_674135966039758_8190442363337974844_nDas Foto spricht für sich. Seit einigen Monaten ist nichts „hipper“ auf der Insel, als einen Aufkleber mit dem Spruch „Ich bin ein Bornholmer“ in Spiegelfolie auf der Rückseite seines Handys kleben zu haben. Wer den Laden „Gutemensch“ bis dahin noch nicht kannte, kennt ihn jetzt. Denn die Jungs des coolen Klamotten-Ladens haben der Insel einen wunderbaren Werbe-Slogan beschert, der erst auf der Insel wie ein Lauffeuer rumging und jetzt Bornholm nach ganz Dänemark und in die Welt hinausträgt. 10361400_586921058094583_7050953357313364599_n Was hier von außen unscheinbar aussieht, ist von innen nur vom Feinsten. Die Boutiquen „Gutemensch“ in Rønne und Nexø sind schon lange DER Tipp, wenn es um Designer-Mode auf der Insel geht. Wer was auf sich hält, kauft hier. Neben den großen skandinavischen Marken wie Mads Nørgaard und Acne Studios sind auch kleinere Labels im Programm, so zum Beispiel die Stickwaren von Stine Gorell, die eine Zeit lang sogar in Handarbeit auf Bornholm gefertig wurden. Laden kleinRegal klein Als ich heute im Laden in Nexø vorbeischaue und mit einem der Eigentümer, Flemming Holmgaard, ins Plaudern komme, treffe ich auch Signe Bay Frost, von der ich Euch gestern erzählt habe. Signe klein Sie verkauft ihr Lippenbalsam hier. Wo sonst, denn Design trifft auf Design 🙂 Flemming und Signe und ihr Mann kennen sich schon lange und haben das Händchen für tolle Ideen und schlicht-schönes und geradliniges Design. So hat Flemming damals vor rund 14 Jahren dann doch mal bei Sebastian Frost nachgefragt, ob der Begriff „Gutemensch“ sich ok anhört, denn schließlich ist Sebastian ja Deutscher. Mitgebracht hatte Flemming die Idee für einen deutschen Namen für seine damals noch in den Startlöchern stehende Boutique aus Berlin. Das sei eine Stadt, die ihn immer wieder inspiriert, erzählt er. So kam er dann auch Anfang diesen Jahres  von einer Modewoche in der Hauptstadt zurück, auf dem ihm das Motto „Ich bin ein Berliner“ immer wieder ins Auge fiel. Das ließ ihn nicht mehr los und er setzte sich mit seinem Kompagnon Jakob Gjetting und seinem Bornholmer Grafiker, der mittlerweile in Kopenhagen lebt, zusammen, um daraus etwas zu entwickelt. Tja, und heraus gekommen ist wohl DER Werbespruch, der jetzt in ganz Dänemark und bald auch in Deutschland 🙂 für die Insel wirbt. Ach nein, sogar international, beweist ja dieses Bild von der Bornholmerin Jane Nymann, die den Spruch derzeit sogar auf den Machu Pichu in Peru trägt… Wow! 10012252_674099892710032_5966300020910538871_oWer als Werbeträger der Insel eines der begehrten T-Shirts, Sweater oder Kapuzenpullis ergattern will, muss sich richtig beeilen. Flemming und Jakob haben nicht nur ein Händchen für Design, sondern auch für geschicktes Marketing. Es gibt nur eine begrenzte Stückzahl, sprich 50 T-Shirts und je 25 Sweat- oder Kapuzenshirts.. 10275980_674471866006168_2378171172575587860_nAch ja, die Models sind natürlich auch Bornholmer, wie hier Joachim. Und keine Angst, dass es keine T.Shirts mehr gibt, wenn Du auf die Insel kommst – es wird immer wieder neu produziert, aber nach jeder Auflage ein neues Design. So wird´s nie langweilig und behält den ganz besonderen Charme, was zu haben, was nicht jeder trägt. Klasse! Und wer sein Zusammenhörigkeitsgefühl mit der Insel anders ausdrücken möchte, der kann demnächst auch gerahmte „Ich bin ein Bornholmer“-Plakate bei „Gutemensch“ kaufen. In sehr edel. Aber wie sollte es auch anders sein.
Kærligst Eure Steffi