Nun werden wir (auch) Dänen Teil 2: Einbürgerungstest und Antragsdschungel…

Teil 2 heißt Fortsetzung…. und zum Schluss kommt immer das Happy End 🙂 Darauf habe ich mich bei dieser „Serie“ von vornherein verlassen. Zumal ich ja selber der Regisseur dieses Mehrakters bin. In Teil 1 (hier noch mal zum Nachlesen 😉 … Weiterlesen

Lebe dänisch: Ohne“hygge“ geht es nicht!

Kaum ein Wort im Dänischen beschreibt so treffend den dänischen Lifestyle und ist gleichsam so schwer zu übersetzen. Gemeint ist: HYGGE! Dieser Begriff steht wie kein anderer für die dänische Mentalität, bringt das Völkchen durch lange Winter und ist vielleicht die Erklärung, warum die Dänen als die glücklichsten Menschen gelten…

Vor ein paar Tagen saß ich bei dem Chefredakteur der Bornholmer Tageszeitung (Bornholms Tidende), Søren Rosenlund Christensen, um über den neuen Bornholmer Online-Shop zu sprechen und die Möglichkeiten, diesen auch den deutschen Kunden zugänglich zu machen. Ich beschrieb ihm, wie schön es wäre, wenn der deutsche Urlauber, der ja bekannterweise die Insel so liebt, sich als echter Fan mal ab und zu ein paar schöne Produkte nach Hause bestellen könnte. Eine kleine Kiste mit Schokolade, Schokoküssen, Bonbons, Honig, Öl, Pasta…“. Er meinte daraufhin: „Det vil være hyggeligt!“ und fragte mich in einem Atemzug, was eigentlich „hyggelig“ auf Deutsch bedeutet. Nachdem er mit erzählte, dass er in Tønder nahe der Grenze und mit der Sesamstrasse als abendliches Kinderprogramm aufgewachsen sei, versucht er es mit: „Das wäre gemütlich“. Daraufhin meinte ich vorsichtig, dass das nicht so ganz in diesem Zusammenhang passen würde. Ich versuchte ihm nun das deutsche Wort „Gemütlichkeit“ zu erklären und wir kamen zu dem Schluss, dass man „hygge“ erleben muss. Man muss Dänemark und im Besonderen natürlich Bornholm besuchen, um das Wort erfassen zu können. Søren konnte nach einem Jahr auf der Insel bestätigen, dass es auf Bornholm eben besonders „hyggelig“ zugeht.

Um die Gewichtigkeit des Wortes aufzuzeigen,  kann ich nur einen Satz zitieren, den ich immer wieder Menschen mitgebe, die bei unseren Lesungen im Sommer fragen, wie denn das Leben so im Winter auf Bornholm sei. Darauf antworte ich dann fast immer: „Man muss es lieben, sich zu hyggen, sonst hat man es schwer hier“.

Hygge liegt in der Luft
Auf Bornholm liegt „hygge“ einfach in der Luft. Du merkst es im Straßenverkehr, in den Einkaufsschlangen der Supermärkte, wenn du in der Apotheke oder der Bank die Nummer gezogen hast und geduldig wartest, dass du an die Reihe kommst. Die Menschen nehmen es gelassener, egal was es ist. Man hat irgendwie mehr Zeit als andernorts. Dies zieht eine Entschleunigung nach sich, die ich als reine „hygge“ bezeichnen würde.

Alles etwas kleiner, etwas süßer
„Hyggelig“ kann auch der kleine Vorgarten mit den schönen Stockrosen sein, oder das gelbe Fachwerkhaus mit den alten Dannebrogs-Fenstern und der Holzbank im verwilderten Garten.
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Der Bornholmer liebt es, hyggelig zu wohnen. Und diesen Wohnstil kann man schwer beschreiben. „Gemütlich“ ist da wohl schon die beste Übersetzung. Aber die Bornholmer „hygge“ ist eben stilmässig nicht mit der deutschen Gemütlichkeit zu vergleichen, bei der man sich auch schnell mal Gelsenkirchener Barock-Möbel mit Bierkrug garniert vorstellen kann. Die Bornholmer Wohn-„hygge“ fühlt man, wenn man sie sieht. Das Kleine, das Feine, das Alte mit dem Neuen kombiniert, die Liebe zu den Dingen und zum Detail.
Skandinavisches Design steht hoch im Kurs und die klaren Linien dieser Wohnstilart werden auf Bornholm oft kunstvoll mit Altem und Kuriosem kombiniert. Wenn man in die Fenster auf Bornholm schaut, die selten mit Gardinen verhängt sind, so erhascht man schnell einen Eindruck von Bornholmer Gemütlichkeit. Und wenn man dann vor so einem Fenster in Svaneke oder Gudhjem steht und entzückt ist,  würde der Däne sagen: „Ej , hvad er det hyggeligt!“
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Hygge heißt ins Feuer schauen
„Vi hygger os i aften“, wenn man so eine Verabredung für den Abend triff, so stehen die Zeichen bereit für einen gemütlichen Abend mit Klönen, Ofen an, Tee oder Kaffee. Also ist die wichtigste Anschaffung oder DAS Einrichtungsstück in einem Bornholmer Haus der Holzofen. Ich kann mir KEINEN Abend ohne meinen Ofen vorstellen. Der Ofen ist im Winter immer in Betrieb, die erste Amtshandlung nach dem Aufstehen heißt „Ofen an!“ und wenn man das Haus für mehrere Stunden verlassen hatte und nach Hause kommt, ist einer in der Familie dran mit… richtig: „Ofen an!“. Und das Tolle ist, das man damit bereits in Kürze eine ganz bestimmte Stimmung ins Haus gezaubert bekommt. Genau aus diesem Grund ist auch fast jedes Haus mit einem Holzofen ausgestattet und ich kann nur jedem Urlauber empfehlen, diesen zu benutzen, denn ein echtes Bornholm-Feeling erlebt man vor allem mit dem „brændeovn“, der idealerweise eine Scheibe haben sollte. Das ist übrigens auch im Sommer am Abend total „hyggelig“.

Nicht ohne meinen Kaffe
Hygge hat oft was mit dem leiblichem Wohl zu tun. Dazu gehört für den Bornholmer abends wie erwähnt gerne Kaffe und Kuchen oder Kekse. Warum gerade abends so gerne Kaffe getrunken wird, konnte mir bisher keiner beantworten. Egal ob man zum Elternabend, zur Vereinssitzung oder Arbeitsmeeting am Abend geht, man nimmt eine Thermoskasse Kaffe mit. Nun bin ich Teetrinker, aber das wird mittlerweile auch geduldet.

Freitagabend-hygge 
Der Freitagabend ist besonders heilig in den Bornholmer Familien. Für Eltern mit kleineren Kindern gibt es nur ein Programm: „Disneyshow“ und „slik“. „Slik“ sind Süßigkeiten, vornehmlich Haribo-Mix-Tüten. Als wir nach Bornholm kamen, waren unsere Jungs 6 und 4 Jahre altund ich hatte meine Kinder bis dahin als ordentliche deutsche Mutter fern gehalten von großen Süß-Orgien. Doch nun hieß es plötzlich, dass Freitags um 19.00 Uhr, passend zum Start der „Disneyshow“ im Fernsehen, echte Nasch-Feten abgefeiert werden sollten. Meine Kinder hatte schnell im Kindergarten und Schule gelernt, dass das hier so ist und wenn Freunde zum Spielen oder Übernachten eingeladen wurden, wurde ich verpflichtet, bitte –  genauso wie in allen anderen Familien – , bis an den Rand gefüllte Haribo-Schalen auf den Couchtisch zu stellen. Das war „hyggelig“, erklärte man mir von Kinder- und Erwachsenenseite. Kann ich bis heut enicht so nachvollziehen, aber woanders muss halt die Chipstüte zur Gemütlichkeit herhalten.

Hochsaison der „hygge“: Weihnachten
In der Weihnachtszeit packt der Däne alles aus, was die „hygge“ zu bieten hat. Die Weihnachtsfeiern heißen auf Dänisch „julefrokost“, werden aber nicht nur auf der Arbeit, sondern auch mit Freunden und Familie zelebriert. Und sobald Freunde und die Lieben alle um einen Tisch herum sitzten, man gemeinsam isst und trinkt, beginnt schon die hygge… gerne mit ein paar gemeinsam geträllerten Liedern und einem Schnaps 🙂 Dann steht der Monat Dezember eben auch ganz im Zeichen der Kerzen, der selbstgebackenen Kekse und des Schmalzgebäcks, der Jule-Märkte, der Jule-Dekoration und dem Basteln von Weihnachts-Schmuck.

Sommer-„hygge“ auf Bornholmer Art
Sobald die Sonne hochsteht, wird die „hygge“ nach draußen verlagert. Man trifft sich mit Freunden zum Picknick, die Klassen-Arrangements der Schule finden mit allen auf den Klippen oder am Strand statt, den Picknickkorb und die Thermoskanne mit Kaffe immer dabei. Im Sand sitzen, auf dem Grillplatz ein Lagerfeuer machen oder sich irgendwo mit Freunden zum Barbecue treffen, das ist „hygge“ pur.

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Hygge geht nur ohne Stress
Jetzt könnte man ja meinen, dass wir das alles genauso in Deutschland oder in anderen Ländern haben. Stimmt auch zum Teil, aber was der Däne so wunderbar hinbekommt ist, dass er alles ohne Stress macht. Wenn Freunde zusammenkommen, kommt keine Hektik auf und keiner läuft nervös ums Bufett, um zu checken ob auch alles da ist. Bei der Weihnachtsfeier sind alle, inklusive der Gastgeber, relaxt. Und beim Barbecue geht es locker ohne Dresscode und irgendwelchen Barbecue „must haves“ zu. Die entspanntesten „get together“ Veranstaltungen habe ich auf der Insel erlebt. Der Däne nimmt die Dinge, wie sie kommen, wie es ist. Wenn Ketchup fehlt, ist das auch nicht schlimm und zur Not wird alles mit dem Löffel gegessen, da das Besteck fehlt. Hauptsache alle bleiben im „hygge“-Modus. Und das ist das Geheimnis: Hygge funktioniert nur ohne Stress. Und daher funktioniert die „hygge“ besonders gut auf Bornholm!

Zusammengefasst würde ich sagen, dass „hygge“ am ehesten in Richtung „Es sich gut gehen lassen“ übersetzt werden kann. Und mit „schön, nett, niedlich, kuschelig“.
Aber das Wesentliche liegt in der Bedeutung des Wortes als „Lifestyle“. Denn es gibt Menschen, die die Bornholmer „hygge“ nicht aushalten können. Und denen „hygge“ nicht reicht. Wenn Bornholm aber mit EINEM Attribut protzen kann , dann ist es der Überschuss an „hygge“. Überall und immerzu. Das muss man mögen, muss das aushalten können. Und manchmal ist es das Einzige was bleibt, wenn alles andere wegfällt: Wenn Fähren wegen Sturm ausfallen, der Verkehr wegen Schneefall lahmliegt oder wenn die Touristen im Winter wegbleiben und die Stille über der Insel einfällt.
„Komm´ vi hygger os“ heißt es dann und der Ofen wird angemacht…

Wünsche Euch einen hyggeligen Abend!

Alles Liebe

Eure Steffi

Auswandern nach Bornholm: Die 10 häufigsten Fragen

Wir sind seit fast 9 Jahren auf Bornholm. Und irgendwie hat es sich mittlerweile rumgesprochen, dass wir als Familie ausgewandert sind. Seit 7 Jahren haben wir unsere kleine Fotogalerie, die wir von Juni bis Mitte September geöffnet haben. Und vor über 2 Jahren hat mein Mann seinen ersten Roman „Bin am Meer“ herausgebracht, der auf Bornholm spielt und ein Bestseller im Bereich „Stress und Stressbewältigung geworden ist. Das hat uns und unserem Leben so die eine oder andere Veröffentlichung in den Medien beschert und spätestens seit dem Artikel in der „Bild der Frau“ im letzten Sommer werden wir in der Galerie immer wieder von deutschen Urlaubern besucht, die doch gerne mal mehr wissen möchten, „wie das denn so geht“ mit dem Auswandern….

Foto Bild der Frau

Im Juli und August laden wir die Urlauber jeden Donnerstag zu einer Lesung im Vorhof unserer Galerie ein. Das sind immer besonders schöne Abende, denn wir sitzen ums Lagerfeuer, Udo liest aus seinen jetzt schon zwei Romanen und oft kommt ein Freund dazu, der Gitarre spielt. In der Pause gibt es selbstgebackenes Brot, Tee und Kaffe und die Möglichkeit, sich kennenzulernen. Diese Abend sind immer sehr schön und zum Abschluss der Lesung können die Gäste Fragen stellen. Die absolute Lieblingsfrage, die IMMER gestellt wird, ist die Nummer 1 in dieser Liste der 10 häufigsten Fragen zur Auswanderung. Ach und übrigens werde ich demnächst für jeden einzelnen Punkt noch mal ein besonderes Blogpost schreiben, denn es gibt da viel zu erzählen…  Also werdet follower (siehe links in der Sidebar), dann verpasst ihr nix 😉

1. Wie ist es denn im Winter auf Bornholm?
Tatsächlich scheint diese Frage die meisten Mensch zu beschäftigen. Und meine Antwort lautet dann immer: „Wie in Deutschland!“. Natürlich ist vielen immer noch der Katastrophen-Winter von 2010 im Gedächtnis, denn der hatte Bornholm ja mit ordentlichen Schlagzeilen in die Medien gebracht. Aber das war wirklich eine Ausnahme! Natürlich steckt hinter der Frage noch viel mehr. Nämlich die Befürchtung, dass es elendig einsam ist und man in einer tiefen Tristesse versinkt. Meine Antwort lautet dann immer im zweiten Satz: „Man muss sich aber selbst aushalten können, sonst wird es schwer.“ Und das mit dem „sich aushalten“ ist wohl der Knackpunkt. Bornholm im Winter ist still, sehr still. Die meisten Restaurants haben zu, die Cafés, Kunsthandwerker, Sehenswürdigkeiten sowieso…. Es gibt nicht viele Ablenkungen, Zerstreuungen. Aber es gibt soviel mehr, das man entdecken kann. Wenn man denn ein Auge und einen Sinn dafür hat. Ich mag den Winter, obwohl er mich auch schon herausgefordert hat. Meine Art, dem Winter zu trotzen, ist ihm zu begegnen! Wir wohnen ja am Meer und das Meer im Winter ist wunderbar. Das draußen sein ist der Schlüssel zur Zufriedenheit, gepaart mit dem Sinn „für „hygge“, sprich es sich gemütlich zu machen. Der Holzofen ist Pflicht, genauso wie das Ritual, das Holz aus dem Wald zu holen und es einzulagern. Weitere Zutaten sind für mich: Backen, lesen, Freunde treffen,Tee trinken und Yoga! Und schon ist es März und alles erwacht :-))
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2. Muss man dänisch können, wenn man auf die Insel kommt?
Eindeutige Antwort : Nein! Stresst Euch bloss nicht mit jahrelangen Volkshochschulkursen, denn das kann man alles wunderbar lernen, wenn man hier ist. Du hast als Ausländer die Möglichkeit, 3 Jahre die Sprachschule zu besuchen. Diese Chance kannst du als EU-Bürger nutzen oder nicht, es ist keine Pflicht. Ich habe mich nach der Auswanderung gleich in einen Kurs eingeschrieben und ging zweimal in der Woche nachmittags in die „sprogskole“ in Rønne. Ich fand die Erfahrung fantastisch und habe dort nicht nur die Sprache gelernt, sondern auch wertvolle Kontakte geknüpft, die ich als extrem soziales und „sabbeliges“ Wesen gerade am Anfang brauchte. Ich konnte mich mit anderen Ausländern austauschen und mein „Leid“ relativieren, wenn ich die Geschichten von Flüchtlingen aus Burma hörte. Außerdem habe ich in der Schule viel über die Kultur, die Geschichte und die Eigenarten der Dänen gelernt.
P.S.. Ich konnte zwei Worte, als wir kamen: Hej und tak.

3. Kommen die Kinder denn in der Schule zurecht?
Diese Frage wird meist mit einem eher leidenden Unterton gestellt, ganz nach dem Motto: „War es nicht schwer für die Kleinen?“ Also stecken in der Frage zwei Komponenten. Und zwei Antworten: „Ja, die Kinder kommen ganz wunderbar in der Schule zurecht!“ Der Anfang wurde ihnen sehr einfach gemacht. Die Schule und Lehrer sind sehr herzlich mit den Jungs umgegangen, sie sind ihnen offen und mit Liebe begegnet. Das Schulsystem war einer der Hauptgründe für unsere Auswanderung, denn ich hatte mich damals sehr mit dem skandinavischen „Modell“ und PISA beschäftigt. Das deutsche System, das wussten wir, wäre für unseren damals schulreifen Sohn nichts gewesen. Und es hat sich bewahrheitet. Ich bin nach wie vor ein absoluter „Fan“ des dänischen Systems und freue mich schon jetzt, Euch demnächst mehr darüber zu berichten…
Ach ja, die zweite Antwort: „Ja, es war manchmal schwer für die Kleinen“. Und für uns. Eine Auswanderung ist ein Neuanfang und auch ein Stück Entwurzelung. Aber wenn man den Prozess bewußt durchlebt und die Kinder und sich selbst in Liebe begleitet und immer im Dialog bleibt, dann gelingt es. Dann kann das Bäumchen neue Wurzel schlagen und anwachsen. Wir sind alle an der Erfahrung gewachsen und möchten sie nicht missen. Aber man sollte Zeit und Raum für die Integration einplanen.

4. Kann man als Deutscher denn Eigentum erwerben?
Yes! Aber man muss auch den „Preis“ dafür bezahlen, sprich sich mit seinem Wohnsitz hier vor Ort anmelden und damit auch die dänische Steuer zahlen (siehe Frage 8). In Dänemark gibt es keine zwei Wohnsitze, man muss sich also entscheiden. Sobald du hier gemeldet bist und eine Aufenthaltsgenehmigung hast, kannst du ein Haus kaufen. Ob diese Regelung irgendwann fällt, weiß man nicht, sie wird viel diskutiert, aber es spricht eben auch viel dafür, dass man hier kein „Ausverkauf“ á la Sylt macht. Eine zusätzliche Regelung ist, dass man als „Neu-Däne“ auch kein Haus mit Sommerhaus-Status kaufen darf, sondern dieses Recht erst nach fünf Jahren im Lande erwirbt. Die meisten schönen Häuser direkt am Meer haben diesen Status und dürfen als Sommerhaus nicht ganzjährig bewohnt werden, sprich man kann da als Familie nicht einziehen. Derzeit wird in einigen Ortschaften allerdings die „Flex bolig“-Regelung eingeführt, d.h. man kann flexibel und je nach Bedarf entscheiden, ob man das Haus fest bewohnen oder vermieten möchte.
IMG_33805. Bekommt man denn nicht einen Insel-Koller?
Wieder ein „Ja“, aber es nimmt mit der Zeit ab. Kurz vor der Auswanderung habe ich mich manchmal gefragt, wie das so ist auf einer Insel  zu wohnen, wo man nicht mal eben so weg kann…. Vorher wohnten wir auch auf einer Insel – Fehmarn – aber da gab es eine Brücke…. Tja, die gibt es hier nicht und mit diesem Gedanken muss man sich anfreunden. Der Insel-Koller kommt am ehesten im Winter, da es dann ja so still um einen wird. Aber ich habe gelernt, dass das nichts mit den äußeren Umständen zu tun hat, sondern mit der inneren Einstellung und dem Ruhen in sich selbst. Und je länger man hier ist, desto mehr wird man dänisch. Und das bedeutet, dass man gelassener wird, nicht mehr „auf der Flucht“ ist und alles entspannter sieht. Frei nach dem Motto: Verpassen tu ich ja eh nix 🙂 Nun nach 9 Jahren denke ich nicht mal mehr daran, wann ich wohl das nächste Mal von der Insel runterkomme. UND: Für den Notfall hat man ja Kopenhagen in der Nähe (na ja, das ist auch relativ) und außerdem gibt es am Tag mehrere Flieger von Rønne nach Kopenhagen…

6. Bekommt man denn einfach einen Job?
Uha, das ist immer wieder eine gute Frage. Mit viele Antworten! Ja, es gibt Jobs für Deutsche. Wenn du Arzt bist, hast du hier immer Chancen, einen Job im Krankenhaus zu bekommen. Immerhin gibt es etliche Headhunter-Firmen, die Ärzte hierher rekrutieren – wegen der familienfreundichen Arbeitszeiten und dem guten Verdienst. Ansonsten herrscht auf der Insel eine hohe Arbeitslosigkeit und viele suchen, gerade außerhalb der Saison, einen Job. Andererseits kenne ich genügend Leute, die hierher gekommen sind, ohne Job, und dann ihren Weg gemacht haben. Die Sprache zu können ist das A & O, ganz klar. Ich hatte gedacht, dass ich die Sprache mal „so in die Tasche“ stecke und nach ein bis zwei Jahren wohl als PR-Beraterin oder Journalistin arbeiten könnte. Gut geträumt. Ich bin das erste Mal in meinem Leben Ausländer in einem fremden Land und habe Respekt vor der Kraft der Sprache bekommen. Das liegt aber auch daran, dass ich nur mit Sprache und Kommunikation arbeiten kann, ansonsten bin ich fast talentfrei ;-). Ich kenne Handwerker und andere Spezialisten, die trotz minderer Sprachkenntnis einen Job bekommen haben. Ich denke, dass alles möglich ist. Aber das ist auch meine ganz eigene Vorstellung und Erfahrung, wie Leben funktioniert.

7. War es einfach, Freunde zu finden?
Ja, für uns war es einfach. Wir hatten Kinder im Kindergarten-  und Schulalter und hatten vom ersten Tag Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen. Dabei stimmt aber sicher der Spruch „Wie man in den Wald hineinruft…“ Ich denke, wir haben uns den Leuten gegenüber immer offen und freundlich gezeigt. Und wir haben uns an ein paar ungeschriebene Gesetze gehalten:
1. Melde dein Auto sofort bei der Ankunft um (siehe Frage 9)
2. Engagiere nicht die billigsten Handwerker aus Osteuropa oder angeblich deine „Freunde“ aus Deutschland, um dein Haus zu renovieren, sondern nimm dir den lokalen Handwerker vor Ort.
3. Prahle nicht mit all dem was du hast oder kannst, sondern halte dich dezent zurück und sei einfach du selbst.
4. Sprich dänisch, auch wenn es nur ein paar Worte sind, denn der Wille zählt.
Dann klappt es auch mit dem Nachbarn :-))

8. Stimmt das mit den hohen Steuern in Dänemark?
Ja es stimmt! Und das tut erstmal verdammt weh! Mindeststeuersatz liegt so ungefähr bei 43 %, wobei Ihr mich da nicht auf ein Prozent mehr oder weniger festlegen dürft. Auf jeden Fall kann man als Angesteller schon mal von seinem Bruttogehalt ca. 40 % runterrechnen. Und je nach Einkommen steigt der Steuersatz und liegt bei 400.000 kr Jahresverdienst schon bei ca. 59% (Stand 2011). Allerdings wird diese Steuerbelastung etwas relativiert, da in dem Steuerbetrag Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung schon mit drin sind. Das ist gerade für Selbständige wie uns nicht unerheblich, wenn ich mich so an die Krankenversicherungssätze für Selbständige in Deutschland erinnere.  Jeder hat einen Steuerfreibetrag von 40.000 kr im Jahr, man muss bei einer Selbständigkeit auch erst nach dem Verdienst von über 40.000 kr ein Gewerbe anmelden. Pauschal rechne ich von allem was ich verdiene schon mal die Hälfte als Steuern runter, dann kann in der Rechnung nix schiefgehen. Außerdem ist auf ALLEM 25% Mehrwertsteuer, was zum Teil den teuren Latte Macchiato im Cafe und das Softeis für 25 kr im Kiosk erklärt (ein anderer Grund ist der Mindeslohn und das an sich hohe Lohnniveau, aber auch dazu in einem späteren Beitrag mehr…)

9. Sind denn Autos wirklich so teuer?
Ja, das stimmt leider auch. Das Auto ist DAS Luxusgut der Dänen. Wenn ich hier mal einem Deutschen in seinem niegelnagelneuen Mercedes Combi hinterherschaue, denke ich immer: „Na in Deutschland ist das ja ein Schnäppchen“. Denn hier könnt Ihr für das gleiche Auto mal 180 % obendrauf rechnen. Das heißt, wenn ein Auto in Deuschland 50.000 Euro kostet, kostet es hier 140.000 Euro. Ja, Ihr habt richtig gelesen!!!! Daher fahren auf Bornholm auch noch realtiv viele alte Karren herum, die in Deutschland schon der Schrottabgabe zum Opfer gefallen sind. Oder sie haben ein Auto mit weiß-gelbem Nummerschild, denn da beträgt der Steuersatz dann nur ca. 120%, allerdings gilt das Auto dann als halb gewerblich und es dürfen darin nur 2 Personen mitfahren. Und das wird ab und zu gerne kontrolliert 🙂 Diese Steuerbelastung wird flankiert von dem Verbot für alle in Dänemark ansässigen Personen, ein nicht in Dänemark zugelassenes Fahrzeug zu führen, mit Ausnahme von ausländischen Mietfahrzeugen für die Dauer von maximal 24 Stunden. Im Falle eines Verstoßes wird die oben genannte Abgabe sofort fällig, das Fahrzeug wird eingezogen bis zur Zahlung der Abgabe. Das ist doch mal konsequent, oder? Wenn man mit dem eigenen Auto nach Dänemark auswandert, muss man eine sogenannte Registrierungsabgabe bezahlen, d.h. das Auto wird bewertet und man muss die Luxussteuer nachbezahlen. Also wird es meist billiger, wenn man sein altes Auto in Deutschland verkauft und sich hier vor Ort ein „neues“ Auto kauft.
Wenn man ganz billig Autofahren will, sollte man einen Oldtimer fahren, die sind meines Wissens nach deutlich steuerreduziert oder steuerfrei. Oder man macht einen Busführerschein und fährt Bus, das hat uns jedenfalls unser Nachbar, der ein Busunternehmen hat, schon ein paarmal vorgeschlagen 🙂 Mal sehen, wie der auf unseren Parkplatz passt…
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10. Sind die Dänen deutschfeindlich?
Meine persönliche Meinung und Erfahrung: Ein eindeutiges NEIN! Ich habe noch NIE etwas deutschfeindliches erlebt oder davon gehört. Und ich denke, es wird auch Zeit, dass wir Deutschen heute immer noch denken, die ganze Welt ist gegen uns. Ich für meinen Teil habe gelernt, mich deutlich von meiner deutschen Geschichte abzugrenzen und denke nicht einmal daran, dass jemand nur wegen meiner Nationalität etwas gegen mich haben könnte. Und wenn, dann ist das sein Problem. Ich versuche mich im Gegenzug aber auch einzugliedern und kein „typisches“ deutsches Verhalten an den Tag zu legen, denn wir Deutschen fallen im Urlaub schon manchmal mehr auf, als wir möchten. Eine kleine Bornholm-Knigge gibt es in meinem Blogpost vom 3. Januar.

Und wenn Ihr noch mehr aus dem Leben eines Dänemark-Auswanderers erfahren möchtet, so möchte ich Euch den Blog von Mary ans Herz legen. Wirklich schöne Geschichten und zum Schmunzeln :-))

Alles Liebe
Eure Steffi